Bis zu 200 Tage im Jahr wohnt Horst Lichter im Hotel Savoy in der Kölner Innenstadt, wenn er die erfolgreiche Trödelsendung „Bares für Rares“ moderiert. Die Hotelbar, in der das Gespräch stattfindet, nennt er sein „zweites Wohnzimmer“. Der Schauspieler Leonard Lansink, der den Privatdetektiv Wilsberg spielt, sitzt drüben, später kommt Thomas Gottschalk mit Rollkoffer vorbei, Lichter und er sitzen später gemeinsam in einer Fernsehshow. Im Podcast spricht Lichter, der am 22. Dezember im ZDF in der Dokumentation „Horst Lichter sucht das Glück“ mit dem Motorrad durch Kroatien reist, über seine dunkelsten Stunden: Mit Mitte 20 der erste Hirnschlag, zwei Jahre später der nächste, dazu einen Herzinfarkt, wenige Jahre später Schulden über eine Millionen. Das Fernsehen entdeckte ihn erst viel später. Wie er hat er es trotzdem geschafft durchzuhalten?

FAZ Am Tresen - Der Gesprächspodcast

Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ

Horst Lichter, wie haben Sie durchgehalten?

DEC 19, 201990 MIN
FAZ Am Tresen - Der Gesprächspodcast

Horst Lichter, wie haben Sie durchgehalten?

DEC 19, 201990 MIN

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Am Tresen mit dem Moderator von "Bares für Rares" Stuhlkreis: „Heute wird alles totgeredet. Wir machen bei jeder Sache sofort einen Stuhlkreis. Was mir ein klein bisschen fehlt, ist die Demut, dass es uns wirklich sehr gut geht. Uns fehlt die Toleranz. Das Wort wird inflationär genutzt, aber ich kenne fast keinen mehr, der es lebt. Die momentane Zeit ist eigentlich die beste, die wir je hatten, aber wir machen sie selbst ständig zum Problem.”  Harte Arbeit: “Wenn man nicht mal richtig geschuftet hat, richtig gelitten hat, wie soll man das genießen, wenn einem das Glück einem hold ist?” Hirnschlag mit Mitte 20: „Als ich das erlebt habe und lange im Reha-Zentrum war, habe ich dort viele tolle Menschen kennengelernt. Dadurch habe ich später vieles mit einem anderen Blick gesehen. Aber für mich war irgendwann klar: Ich will wieder zurück in die Parallelwelt derer, die glauben, dass sie Sorgen haben, die sich über Kleinigkeiten aufregen. Und deswegen bin ich vielleicht wieder gesund geworden. Allerdings habe ich genauso weitergemacht wie beim ersten Mal - und zwei Jahre später, mit 28, einen zweiten Hirnschlag mit Herzinfarkt bekommen. Ich war fast tot.“  Erste Fernsehsendung: „Da dachte ich: Mein Deutsch ist schwierig. Mir fehlt hier und da etwas rhetorische Bildung. Ich habe zwar die gleichen Buchstaben wie die ganzen Gelehrten, ich mache nur weniger Wörter daraus. Daraus habe ich meinen Vorteil gezogen. Mich verstehen mehr Menschen, weil ich weniger Fremdwörter gebrauche.“ Bares für Rares: „Die ersten Jahre habe ich ja immer wieder versucht, mit den Leuten zu diskutieren, wo dann auch schon mal von det Aufnahmeleitung unterbrochen wurde. Horst, willst du die überreden, nicht zu verlaufen? Am Anfang wollte ich noch mehr verstehen lernen, warum Leute solche schönen Sachen weggeben. Und irgendwann ist da auch wieder die Toleranz in mir gewachsen. Schade finde ich es trotzdem.“  Klimabewegung: “Ich finde es toll, dass es eine Klimabewegung gibt. Greta Thunberg hat eine weltweite Bewegung Bewegung ausgelöst. Aber irgendwann ist auch mal gut. Ich bin ein harmoniesüchtiger Mensch, aber mich regt es auf, wenn man selbst nichts tut.”