Tagebuchschreiben war im Nationalsozialismus äußerst beliebt – und zwar bei Anhänger*innen des Regimes ebenso wie bei Kritiker*innen. Wer heute noch so ein Tagebuch seiner Großeltern hat, kann sich glücklich schätzen, denn man kann einiges daraus erfahren. Auch Melanies Großeltern haben ein solches Tagebuch gemeinsam für ihre Kinder geführt.  Doch wie genau geht man vor beim Lesen? Und wie soll man sich dazu verhalten? Der Historiker Janosch Steuwer von der Uni Halle weiß das genau. Für seine Doktorarbeit hat er 140 Tagebücher zwischen 1933 und 1939 untersucht. Er sagt: mit der sogenannten Machtergreifung im Januar 1933 drängte sich Politik in die Tagebücher förmlich hinein, denn das NS-Regime  forderte die Menschen auf, sich mit ihm zu beschäftigen und das eigene Leben in dessen Ideologie einzupassen.

gestern ist jetzt

Melanie Longerich, Brigitte Baetz

#28 - Tagebücher im Nationalsozialismus

JAN 25, 202354 MIN
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#28 - Tagebücher im Nationalsozialismus

JAN 25, 202354 MIN

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Wie lesen, wie interpretieren? Tipps vom Historiker Janosch Steuwer Links und Hintergründe Unser Gast heute: Janosch Steuwer, Historiker und Tagebuchforscher von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er hat seine Doktorarbeit zu Tagebüchern zwischen 1933 und 1939 geschrieben. Und ist unter dem Titel „Ein Drittes Reich, wie ich es auffasse“. Politik, Gesellschaft und privates Leben in Tagebüchern 1933-1939 auch im Wallstein Verlag erschienen und wurde mehrfach ausgezeichnet. Auf unserer Webseite erklärt Janosch auch in einem Video, worauf es beim Tagebuchlesen ankommt. Tagebuchschreibende im NS In der Nachkriegszeit setzte sich das Bild durch, dass Tagebuchschreiben in der NS-Zeit etwas sehr Gefährliches war, dass vor allem Regimekritiker*innen taten. Beeinflusst war diese Annahme von George Orwels' Buch "1984", wo das Tagebuch zum einzigen Rückzugsort in einer totalitären Überwachungsstart wird. In #8 und #9 haben uns es der Historiker Armin Nolzen und der Politikwissenschaftler Jürgen Falter erklärt, wie die NSDAP und ihre Organisationen bis in die kleinsten gesellschaftlichen Verästelungen eindrangen und zum Bekenntnis aufforderten. Buchtipp: Johannes Hürter, Leiter der Forschungsabteilung München des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin hat 2021 Tagebücher und Briefe von Marta und Egon Oelwein herausgegeben, die das Paar zwischen 1939 und 1945 schrieben. "Im Übrigen hat die Vorsehung das letzte Wort…" zeigt das Leben einer nationalsozialistischen Familie im "Dritten Reich", die sich komplett der "Volksgemeinschaft" einfügte. Rezension von Melanie im DLF. Herausforderungen und Reaktionen Die DNVP, die Deutschnationale Volkspartei, die auch Melanies Großvater bis 1933 wählte, war an einigen Regierungen der Weimarer Republik beteiligt, obwohl sie deren Verfassung und auch den Versailler Vertrag ablehnte. Die DNVP unterstützte die sogenannte Machtübernahme der NSDAP. Wer Lust hat auf mehr… schaut doch mal auf unsere Webseite, da gibt es viele Geschichten von euch und euren Großeltern und unsere Profis geben viele Recherchetipps.