Krabben, Kekse und das Klima
Der Klimawandel auf der Weihnachtsinsel
Krabben, Kekse und das Klima
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In dieser speziellen Folge für den WissPod-Adventskalender geht es um den Klimawandel auf der Weihnachtsinsel. Die ist zwar klein, aber dafür wird sie von sehr, sehr vielen Krabben bewohnt. Die führen ein sehr spezielles Leben und das könnte durch die Klimakrise beeinflusst werden.
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Weihnachtsinselkrabben und Klimakrise
Über die klassischen Weihnachtsthemen haben wir schon in der Folge DK101 gesprochen. Heute geht es deswegen zur Weihnachtsinsel.
Die Weihnachtsinsel liegt im Indischen Ozean, etwa zwischen Australien und Java. Sie ist nur rund 135 Quadratkilometer groß und gehört zu Australien. Die “Hauptstadt” heißt Flying Fish Cove – die Bucht der fliegenden Fische. Rund 1700 Menschen leben dort, fast alle in der Hauptstadt.
Ihren Namen verdankt die Insel übrigens der britischen Ostindien-Kompanie, die am 25. Dezember 1643 an ihr vorbeisegelte. Der Entdecker und Pirat William Dampier landete dort 1688 – und rund 200 Jahre später fand man Phosphat, woraufhin die Insel 1888 von England annektiert wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie von Japan besetzt, danach wieder an Großbritannien übergeben und schließlich 1958 Teil Australiens.
Bekannt ist die Insel heute nicht nur als früheres Quarantänezentrum, sondern vor allem für ihre berühmtesten Bewohnerinnen: die Weihnachtsinsel-Krabben (Gecarcoidea natalis).
Diese leuchtend roten Landkrabben leben ausschließlich auf der Weihnachtsinsel und den Kokosinseln – und das in beeindruckender Zahl: 2022 waren es rund 190 Millionen Tiere! Jede einzelne etwa 12 Zentimeter groß, in knalligem Rot, Orange oder Purpur. Sie ernähren sich vom Laub des Regenwalds – denn Regenwürmer gibt’s dort nicht – und fressen gelegentlich auch tote Vögel, Schnecken oder sogar andere Krabben.
Im November, zu Beginn der Regenzeit, beginnt eines der spektakulärsten Naturereignisse der Welt: die Massenwanderung der Weihnachtsinsel-Krabben. Millionen von ihnen machen sich gleichzeitig vom Wald auf den Weg zur Küste, um ihre Eier im Meer abzulegen. Wie sie sich orientieren, ist bis heute nicht ganz klar – ihre Wanderung hängt jedenfalls auch von den Mondphasen ab. Wie so eine Wanderung aussieht, kann man in diesem Video sehen.
Jedes Weibchen legt rund 100.000 Eier, die im Meer freigesetzt werden. Nach dem Schlüpfen wandern die winzigen Babykrabben vom Ozean zurück in die Wälder.
Die Krabben sind eine Schlüsselart auf der Insel. Sie halten den Regenwald gesund, indem sie Laub zersetzen und Nährstoffe im Boden recyceln. Natürliche Feinde haben sie kaum – nur eine eingeschleppte Ameise macht ihnen zu schaffen. Für die Menschen auf der Insel ist die Krabbenwanderung allerdings Fluch und Segen zugleich: Sie ist ein unglaubliches Naturschauspiel – aber auch ein logistischer Albtraum. Die Tiere krabbeln über Straßen, Autos und alles, was im Weg steht.
Doch wie wirkt sich der Klimawandel auf dieses empfindliche Ökosystem aus?
Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 hat sich die Auswirkungen veränderter Salzgehalte im Küstenwasser auf die Entwicklung der Krabbenembryonen angesehen. Denn stärkere Regenfälle im Monsun könnten das Meerwasser verdünnen. Also testeten Forschende, wie sich unterschiedliche Salzgehalte auf die Entwicklung im Ei auswirken – gemessen wurden unter anderem Herzschlag, Schlüpfzeitpunkt und Bewegungen der Larven.
Das Ergebnis: überraschend positiv. Der Salzgehalt hatte keinen Einfluss auf die Entwicklung der Krabbenlarven. Ein kleines Happy End also – zumindest fürs Erste.
Aber: Die Studie lief nur über 24 Stunden, und nur ein Faktor – der Salzgehalt – wurde getestet. Andere Stressfaktoren wie Temperatur, Sauerstoffgehalt oder pH-Wert sind noch nicht untersucht.
Schon frühere Studien, etwa aus dem Jahr 2013, zeigen, dass die Krabbenwanderung stark von Niederschlagsmustern und damit vom El-Niño-Phänomen abhängt. Wenn sich diese klimatischen Zyklen verschieben, kann das auch den Zeitpunkt der Fortpflanzung durcheinanderbringen – mit möglicherweise drastischen Folgen für die Art.
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