Allein aus Gnade - Bibeltreue Predigten der Evangelisch-Baptistischen Christusgemeinde

EBC Waiblingen - Bibeltreue evangelische Baptisten Gemeinde für Jesus Christus

Details

Die Evangelisch-Baptistische Christusgemeinde ist eine junge Gemeinde, um den Menschen im Remstal bei Stuttgart den Anschluss an eine bibeltreue Gemeinde zu ermöglichen und Gottes Wort zu verkündigen. Unser höchstes Ziel als Gemeinschaft ist es, für Gott zu leben, und Ihm durch unser Leben und durch unsere Gottesdienste die höchste Ehre zu bringen. Besuchen Sie gerne unseren Gottesdienst! Weitere Infos auf unserer Homepage: ebc-waiblingen.de

Recent Episodes

SEP 13, 2026
Erben durch Christus (Epheser 1, 11-12) - Richard Friesen
### Zusammenfassung Nach Epheser 1,11–12 sind Gläubige in Christus zu Erben des ewigen Gottesreiches bestimmt, empfangen dieses sichere Erbe allein durch Glauben nach Gottes souveränem Willen und leben zum Preis seiner Herrlichkeit. ### Details **Inhalt des Erbes:** Paulus lobt Gott in Epheser 1 für viele geistliche Segnungen. Eine davon ist, dass wir in Christus zu Erben gemacht wurden. Als Erben Gottes und Miterben Christi (Römer 8,17) haben Gläubige Anteil an seinem Reich, dem neuen Himmel und der neuen Erde. Sie sind dort nicht bloß Bewohner, sondern rechtmäßige Eigentümer. Der Begriff „Erbteil erlangen“ erinnert an die Verteilung Kanaans durch das Los (4. Mose 34,13). Doch Gott lenkt jedes Los (Sprüche 16,33). Das Erbe wird ohne eigene Leistung empfangen, ist unvergänglich und im Himmel aufbewahrt (1. Petrus 1,4). Wer auf Erden wenig besitzt, ist in Christus unermesslich reich. Wer viel hat, soll sein Herz nicht an irdischen Besitz hängen. **Empfänger des Erbes:** Zuerst setzten die Juden ihre Hoffnung auf Christus. Mit Vers 13 und Kapitel 2 schließt Paulus aber auch die Heiden als Miterben und Hausgenossen Gottes ein. Erben sind alle, die Gott zur Sohnschaft vorherbestimmt hat. Nach römischem Recht erhielt ein adoptierter Sohn alle Rechte eines leiblichen Kindes. Der Weg dorthin ist der Glaube: das Vertrauen, dass Jesus der verheißene Messias ist, der für unsere Sünden starb und auferstand (Apostelgeschichte 26,18). Diese Hoffnung gilt es gemeinsam mit der Gemeinde unbeweglich festzuhalten (Hebräer 10,23–25). **Zuteilung und Ziel:** Mit den Begriffen Vorsatz, Rat und Wille zeigt Paulus, dass Gott sein Erbe frei, planvoll und souverän zuteilt. Er wirkt alles nach seinem Willen (Daniel 4,32). Deshalb ist das Erbe sicher. Der Heilige Geist, das Unterpfand, bestätigt diese Gewissheit. Das Ziel ist, dass Gläubige „zum Preise seiner Herrlichkeit“ sind. Dreimal betont Paulus dies im Lobpreis (Verse 6, 12 und 14) und ehrt damit den dreieinigen Gott. Schon heute sollen Worte, Gedanken und Taten ihn verherrlichen. **Praktische Folgen:** Christen sollen dieses Erbe freudig und dankbar erwarten (Kolosser 1,12). Nötig ist auch Geduld in Prüfungen (Hebräer 6,11–12). Wie Noah vertrauen sie im Glauben auf das noch Unsichtbare (Hebräer 11,7). Schließlich sollen sie tätig bleiben und in Familie, Beruf und Gemeinde für das kommende Reich wirken (Kolosser 3,23–24).
49 MIN
SEP 9, 2026
Wie du für verfolgte Christen beten kannst - Psalm 83 - Richard Friesen
Asaph betet in Psalm 83 um Gottes Eingreifen gegen die Feindkoalition, die Israel auslöschen will – ein Vorbild für unser Gebet für die verfolgte Gemeinde und ihre Verfolger. #### Details Weltweit sind über 388 Millionen Christen intensiver Verfolgung ausgesetzt. Hebräer 13,3 ruft dazu auf, an die Gefangenen zu denken, als wäre man ihr Mitgefangener. Genau diese Haltung zeigt Asaph: Als zehn Völker einen Bund schließen, um Israel als Nation auszulöschen, bleibt er nicht neutral, sondern ruft: „Gott, schweige nicht." Er klagt nicht gegen Gott und flucht nicht selbst, sondern legt die Sache demütig in Gottes Hand – denn solange Gott schweigt, sind die Feinde stärker; sobald er hervortritt, werden sie zerstreut. Bemerkenswert ist die Wortwahl: „deine Feinde", „deine Hasser". Wer Gottes Volk anfeindet, feindet Gott selbst an – wie Jesus zu Saulus sagt: „Warum verfolgst du mich?" Neutralität gibt es nicht. Und Gottes Volk wird „deine Geborgenen", seine Schützlinge genannt: Gott hat sich verpflichtet, Schutz und Zuflucht zu geben. Hinter dem Toben der Nationen steht letztlich ein geistlicher Kampf – Satans jahrhundertelanger Versuch, den Samen der Frau zu verhindern, sichtbar bei Haman und Herodes. Doch nicht einmal die Pforten der Hölle werden die Gemeinde überwältigen. Asaph nennt die Feinde konkret bei Namen – auffällig, dass über die Hälfte mit Israel verwandt ist. Politisch zerstritten, verbünden sie sich doch, wenn es gegen Gottes Volk geht. Sein Gebet um Gericht schöpft aus dem Buch der Richter: Midian, Sisera, Jabin, Oreb und Seeb – Gott hat damals gerettet, er kann es wieder. Wer die Schrift kennt, betet freimütiger. Entscheidend ist das Ziel: „Fülle ihr Angesicht mit Schande, damit sie deinen Namen suchen." Asaph will nicht die Vernichtung der Völker, sondern ihre Umkehr, damit sie erkennen, dass der Herr der Höchste über die ganze Erde ist. Vier Schritte bleiben: sich von der Not der verfolgten Gemeinde bewegen lassen; die Feinde namentlich vor Gott bringen; die Gebete von Gottes Rettungstaten in der Schrift formen lassen; und sie stets auf die Ehre seines Namens ausrichten.
28 MIN
SEP 6, 2026
Der rechte Umgang mit Prüfungen (Jakobus 1,2-4) - Peter Schild
Prüfungen im Leben eines Christen sind unvermeidlich, doch Gott gebraucht sie, um den Glauben zu bewähren, Ausharren zu wirken und den Gläubigen zu geistlicher Reife zu führen. #### Details Der Jakobusbrief richtet sich an jüdische Christen in der Zerstreuung – Menschen, die durch Verfolgung ihre Heimat verloren hatten und in der Fremde mit wirtschaftlicher Not, Unterdrückung, Krankheit und inneren Kämpfen rangen. Ohne lange Einleitung beginnt Jakobus mit der Frage, wie ein Gläubiger mit Prüfungen umgeht: „Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Prüfungen fallt" (Jakobus 1,2–4). Prüfungen gehören zum normalen Christenleben. Das Wort „fallen" beschreibt ein unerwartetes Hineingeraten – wie der Mann auf dem Weg nach Jericho, der unter die Räuber fiel. Niemand sucht sich Krankheit, Verlust, Einsamkeit oder jahrelanges Warten aus. Wer als Nachfolger Jesu ein Leben ohne Bewährungsproben erwartet, hat die Schule Gottes missverstanden. Die geforderte Freude ist keine aufgesetzte Maske. Jesus weinte am Grab des Lazarus, die Psalmen sind voller Klage. Gemeint ist ein bewusstes geistliches Urteil: Diese Prüfung ist bitter, doch der Kelch kommt aus der Hand eines liebenden Vaters. Diese Freude gründet auf Erkenntnis – darauf, dass Gott souverän, weise und gut handelt. Wie Feuer das Gold nicht erschafft, sondern sichtbar macht und reinigt, so offenbart Bedrängnis, was wirklich im Herzen wohnt. Deshalb lautet das bessere Gebet nicht „Herr, ändere meine Umstände", sondern „Herr, ändere mein Herz". Gottes Ziel ist Standhaftigkeit, die zur Reife führt: nicht sündlose Perfektion, sondern Ganzheit – ein Glaube, der sonntags wie montags trägt. Entscheidend bleibt jedoch: Die Botschaft heißt nicht „reiß dich zusammen". Kein Mensch hat je alle Prüfungen bestanden. Christus allein wurde in allem geprüft, blieb gehorsam bis zum Kreuz und hat für jedes Versagen bezahlt. Eigenes Leiden erwirbt keine Erlösung; es ist Erziehung eines bereits angenommenen Kindes. Darum darf der Gläubige beten: „Vater, ich verstehe deinen Weg nicht, aber ich kenne dein Herz" – gewiss, dass Gott das begonnene Werk vollenden wird, bis alle Tränen abgewischt sind.
52 MIN
AUG 30, 2026
Kein Christentum ohne die absolute Wahrheit (2. Johannes 1-3) - Daniel Janzen
## Zusammenfassung Der zweite Johannesbrief beginnt mit dem Thema Wahrheit: Sie ist Gottes Wesen, wirkt Wiedergeburt und Liebe, bleibt ewig in den Gläubigen und ist Kanal göttlichen Segens. ## Details **Einleitung zur Predigtreihe** Nach der Auslegung des Philipperbriefs beginnt der Prediger eine neue Reihe über den zweiten Johannesbrief — nach dem dritten Johannesbrief das zweitkürzeste Buch der Bibel, bewusst wegen der Kürze gewählt. Während der erste Johannesbrief häufig behandelt wird, bleiben die beiden anderen Briefe meist unbeachtet, obwohl sich ihre Themen stark überschneiden. Grundtext der Predigt sind die Verse 1 bis 3. **Verfasserschaft und Kanonizität** Kritiker zweifeln an, dass der Apostel Johannes den Brief verfasst hat, und vermuten spätere Nachfolger als Autoren. Dem hält der Prediger entgegen, dass die Bibel gemessen an der Zahl antiker Handschriften und dem geringen zeitlichen Abstand zu den Originalen als das am besten belegte Buch der Antike gilt. Frühe Manuskripte tragen bereits den Namen Johannes in der (nachträglich hinzugefügten) Überschrift. Dass sich der Autor nur „der Älteste" nennt, spricht nicht gegen ihn: Johannes nennt sich in keiner seiner Schriften namentlich, und auch Petrus bezeichnet sich als Mitältester. Johannes lebte ab etwa 70 n. Chr. in Ephesus, diente dort als Gemeindeleiter und war der letzte überlebende Apostel — also im doppelten Sinn „der Älteste". **Erster Punkt: Die Wahrheit ist nichts Theoretisches** Adressatin ist „die auserwählte Frau und ihre Kinder". Zwei Deutungen stehen sich gegenüber: eine Gemeinde in weiblicher Bildsprache (vergleichbar der Braut Christi) oder eine konkrete Frau. Der Prediger tendiert zur wörtlichen Auslegung, da der Brief so natürlicher liest und die Warnung, keine Irrlehrer ins Haus aufzunehmen, auf einen Haushalt hindeutet. Möglicherweise handelt es sich um eine Witwe, da kein Ehemann erwähnt wird. „Auserwählte" kennzeichnet sie als Christin. Johannes liebt sie „in der Wahrheit" — gemeint ist nicht die Tiefe seiner Zuneigung, sondern deren Ursprung. Diese Liebe entspringt der Wahrheit und wird von ihr genährt; sie ist göttlicher Herkunft, weil Gott selbst die Wahrheit ist. Deshalb kann Johannes verallgemeinern: Alle, die die Wahrheit erkannt haben, lieben diese Frau. Nicht ihre Liebenswürdigkeit begründet die Liebe, sondern ihre Zugehörigkeit zu den aus Gott Geborenen. Daraus folgt eine Einheit, die über Sympathie und Wellenlänge hinausreicht. Der Prediger stellt die persönliche Anwendungsfrage: Gibt es Geschwister, die schwer zu lieben sind — vielleicht wegen ihres Charakters oder ihrer Meinungen? Individualismus und die Fixierung auf Nebensächliches untergraben die Liebe, sowohl innerhalb der Ortsgemeinde als auch zwischen Gemeinden. Wer stattdessen die gemeinsame Wahrheit in den Blick nimmt, erträgt charakterliche Schwächen und deckt Sünden zu. Das Studium des Wortes ist der Weg dorthin, denn Jesus betet: „Heilige sie in der Wahrheit, dein Wort ist Wahrheit." **Zweiter Punkt: Die Wirkweise der Wahrheit** Zunächst wirkt die Wahrheit von außen. Gott gebraucht sein Wort — vermittelt durch Propheten, Christus, Apostel, Predigt und Lesen — um Menschen zu erretten. Wo etwas anderes verkündigt wird als die Wahrheit, wirkt Gott nicht. Daraus folgt: Allein Gottes Wort, allein die Lehre Christi darf gepredigt werden. Diese Wahrheit ist exklusiv; die Gottheit Jesu ist ihr Kernpunkt. Weder Buddha noch der Koran noch rabbinische Lehren, die Jesus als Messias ablehnen, können neues Leben hervorbringen. Ökumene ist deshalb der falsche Ansatz — nicht Toleranz gegenüber allen Meinungen ist Liebe in Wahrheit, sondern das Festhalten an der absoluten Wahrheit. Dann wirkt die Wahrheit von innen: Sie „bleibt in uns" — örtlich verstanden. Der Heilige Geist ist die Wahrheit, Christus wohnt durch Glauben in den Gläubigen. Nur wo dieser Ablauf geschehen ist, ist jemand aus Gott geboren. Jesus sagt den ungläubigen Juden hart, sie hätten den Teufel zum Vater, weil keine Wahrheit in ihm ist. Diese Worte entspringen der Liebe, nicht dem Hass — und sie enthalten die Einladung: Niemand muss ein Kind des Teufels bleiben. Schließlich wirkt die Wahrheit wieder nach außen und bringt Liebe und Heiligung hervor. Wie ein Baum erst an seinen Früchten erkennbar wird, so zeigt sich am Leben, wessen Kind ein Mensch ist. Werke der Gerechtigkeit erlösen nicht, sind aber Beweis der innewohnenden Wahrheit. Und diese Wahrheit bleibt „in Ewigkeit" — keine Floskel, sondern Zusage. Der Geist versiegelt die Gläubigen als Gottes Eigentum und ist Unterpfand des verheißenen Erbes: Trost in Zweifel, Leid und Not. **Dritter Punkt: Der Segen Gottes, der durch die Wahrheit fließt** Anders als Petrus und Paulus formuliert Johannes „Gnade, Barmherzigkeit, Friede" nicht als Wunsch, sondern als Gewissheit — diese Dinge *werden* mit uns sein. Sie bezeugen Gottes völliges Wohlwollen gegenüber Menschen, die ihn von sich aus gar nicht suchen. Barmherzigkeit zeigt sich am deutlichsten im Erlösungswerk Christi, der Friede in der Versöhnung durch das Blut des Kreuzes. Die einzig angemessene Antwort ist Anbetung und ein Leben zur Ehre Gottes. Johannes benennt die Quelle präzise: Vater und Sohn stehen auf einer Stufe — eine Betonung, die nötig war, weil die Gottheit Jesu damals wie heute bestritten wird; sie war letztlich der Grund seiner Kreuzigung. Der Zusatz „in Wahrheit und Liebe" beschreibt den Rahmen des Segens. Unabhängig von der Wahrheit kann dieser Segen nicht fließen. Wer in der Wahrheit lebt, erlebt Gnade, Barmherzigkeit und Frieden durchströmend; wer sich entfernt und Sünde Raum gibt, verlässt diesen Rahmen. Gott bleibt gnädig, doch der Segen wird nicht mehr in vollem Maß erfahrbar — Zweifel und Unruhe treten ein. Gott hält den Segen bisweilen zurück, um zur Umkehr zu führen. **Schluss** Ohne die absolute Wahrheit fällt das Christentum in sich zusammen: Es gäbe keine Christen, kein Leben nach Gottes Maßstäben, keinen Zugang zu Gott. Darum gilt es, diese Wahrheit zu bewahren, treu zu verkündigen, zu studieren und in ihr zu leben — um der Berufung Gottes nachzukommen und seinen Segen in Fülle zu empfangen.
53 MIN
AUG 26, 2026
Wenn wir Gott nachhelfen (1. Mose 16,1-6) - Sebastian Thiesen
## Zusammenfassung Aus 1. Mose 16: Wer Gottes Verheißung mit eigener Kraft erzwingt, handelt aus Unglauben und gebiert Knechtschaft — wahrer Glaube wartet auf Gottes Gnade statt auf Ismael. ## Details **Die Leitfrage** Die Predigt beginnt mit der unbequemen Frage: Wo hilfst du Gott gerade nach? Nicht wo lehnst du ihn ab, sondern wo bist du müde vom Warten und erzwingst mit eigenen Händen, was allein Gott geben kann. Der Kontext ist scharf: In Kapitel 15 hat Gott den Bund einseitig geschnitten — als rauchender Ofen und brennende Fackel ging er allein zwischen den Tieren hindurch, während Abraham schlief. Kaum ist die Verheißung so fest wie nur möglich, folgt in Kapitel 16 kein Vertrauen, sondern ein Plan. **Erstens: Das Fleisch misstraut Gottes Verheißung** Sarais Theologie ist korrekt — "der Herr hat mich verschlossen" ist richtig erkannte Souveränität. Falsch ist der Schluss: nicht "also warte ich", sondern "also nehme ich es selbst in die Hand". Dort wohnt der Unglaube: nicht im Leugnen Gottes, sondern im Nicht-Zutrauen. Es ist dieselbe Lüge wie im Garten — "sollte Gott wirklich gesagt haben" — Gott hält dir etwas Gutes vor. Psalm 84 widerspricht: kein Gutes enthält er vor. Bleiben nur zwei Möglichkeiten, wenn etwas fehlt: es ist nicht gut, oder es ist nicht die Zeit. Eine dritte gibt es nicht. Entscheidend ist nicht das Bekenntnis, sondern was das Handeln verrät — beten und gleichzeitig an der Abkürzung arbeiten ist "Unglaube mit gefalteten Händen". Und dieser Unglaube kommt nicht mit einem Paukenschlag, er sickert über zehn Jahre Schweigen. Gerade lange Wartezeiten sind geistlich brandgefährlich: Man vertraut dem Kalender mehr als dem Wort. Von außen sieht man Sarai nichts an, wie man auch dem sonntäglichen Kirchgänger nichts ansieht. **Zweitens: Das Fleisch nimmt das Heft selbst in die Hand** Sarais Vorschlag war kulturell völlig normal, vertraglich geregelt, vernünftig. Genau das ist die Falle: Der Griff zum Fleisch sieht nicht nach Sünde aus, sondern nach gesundem Menschenverstand. Sünde kommt ins gläubige Haus meist nicht als Rebellion, sondern als Anpassung. Der Satz "Abram hörte auf die Stimme Sarais" spiegelt bewusst Adams Gericht in Kapitel 3 — dieselben Worte. Abrahams Versagen ist nicht eine böse Tat, sondern sein Schweigen: kein Gebet, keine Rückfrage, Abgabe der geistlichen Führung, weil der andere Weg weniger Reibung verspricht. Passives Männerschweigen ist in der Schrift nie neutral, sondern der Anfang vom Fall, und das ganze Haus zahlt. Dazu das Wort "vielleicht": Sarai tauscht Gottes gewisses "so zahlreich wie die Sterne" gegen ein Vielleicht des Fleisches. "Erbaut werden" trägt das Wort für Bauen in sich — derselbe Reflex wie in Babel: Der Mensch will selbst bauen, was allein Gott bauen kann. Das Bild der Rosenknospe: Wer sie ungeduldig aufpult, hält am Ende die zerrissene Blüte in der Hand. **Drittens: Das Fleisch gebiert Knechtschaft** Der Plan funktioniert sofort — und mit dem Erfolg kippt das ganze Haus. Hagar blickt hochmütig herab, Sarai schiebt die Schuld auf Abraham ("das Unrecht komme über dich"), obwohl es ihr eigener Vorschlag war. Matthew Henry: Leidenschaftliche Menschen streiten über das, was sie sich selbst zuzuschreiben haben. Abraham wäscht die Hände in Unschuld und überlässt die Schwangere der Wut seiner Frau; Hagar flieht misshandelt in die Wüste. Drei verwundete Menschen an einem Nachmittag — und die Frucht überlebt den Moment: Ismael und Isaak, eine zweite Flucht in Kapitel 21, ein Riss durch Generationen. Die Rechnung für die eigenmächtige Abkürzung zahlen oft die, die wir am meisten lieben. **Die theologische Zuspitzung: Gnade oder Werke** Paulus greift das Kapitel in Galater 4 auf: Hagar steht für den Sinai-Bund, für Gesetz und Werke — eine Sklavin kann nur Sklaven gebären. John Piper nennt Ismael das Produkt der Selbsthilfe. Wer sich bei Gott etwas verdienen will, gebiert keine Freiheit, sondern Sklaven, und landet in Getriebenheit und der ewigen Frage "habe ich genug getan". Auch Frömmigkeit kann Fleisch im frommen Gewand sein. **Der Ausblick auf Christus** Isaak kam erst, als Sarai mit 90 jede menschliche Möglichkeit verloren hatte und nur noch lachen konnte. Gott erfüllt seine Verheißung nicht an unserer Kraft, sondern wenn unsere Stärke am Ende ist — erst dann heißt es Gnade und nicht Verdienst. Jesaja 59,16: Gott sah, dass kein Mann da war, da half ihm sein eigener Arm; und ein Erlöser wird kommen für Zion. Der wahre Sohn der Verheißung ist nicht Isaak, sondern Christus — gekommen durch die Kraft des Geistes, nicht des Menschen. Er hielt das Gesetz, das keiner hält, und zahlte den Preis, den keiner aufbringt. **Der Aufruf** Ganz konkret benennen: Wo baust du an Ismael? Beim Kinderwunsch, den Finanzen, in der Schule, bei der Partnerwahl, in der Kindererziehung, in der Heiligung. Nenne es heute beim Namen und lege es nieder. Aufhören zu zerren ist keine Niederlage, sondern Glaube — der wartet nicht aus Faulheit, sondern weil er weiß, wem er sich anvertraut hat. Gottes Weg ist langsamer, aber er gebiert Freiheit statt Knechtschaft. Abschluss mit Psalm 84,12: Der Herr wird kein Gutes vorenthalten denen, die in Lauterkeit wandeln.
30 MIN