Academie Kloster Eberbach

Academie Kloster Eberbach

Dr. Ulrich Ott, führender deutscher Meditationsforscher im Gespräch mit der Academie Kloster Eberbach

SEP 30, 202679 MIN

Description

`Die Stille ist so laut Zu Gast: Dr. Ulrich Ott, Psychologe und Neurowissenschaftler, Arbeitsgruppe für veränderte Bewusstseinszustände am Bender Institute of Neuroimaging in Gießen Gastgeber: Sebastian Labonte, mit Lukas Prandzioch und Marcus M. Lübbering, Vorsitzendem und Gründer der Academie Kloster Eberbach Was Sie in dieser Folge erwartet Wie misst man etwas, das erst entsteht, wenn man aufhört, etwas zu tun? Ulrich Ott hat eine Antwort gefunden, die auf den ersten Blick absurd klingt: Er legt Menschen, die meditieren, in einen Kernspintomografen und schaut ihrem Gehirn dabei zu. Seit über 25 Jahren tut er das. Man könnte sagen, er misst die Stille. Angefangen hat es weit weg vom Labor. Als Kind saß er in Frauenstein im Wald, das Licht fiel durch die Blätter, und er fühlte sich, wie er sagt, eins mit dem Ganzen. Später kam ein Philosophiebuch dazu, ein einziger Satz darin — Atman gleich Brahman — und die Behauptung, dass dies keine Glaubensfrage sei, sondern etwas, das man überprüfen könne. Der erste Yogakurs in Wiesbaden endete dann in einer Halle voller Frauen, die deutlich gelenkiger waren als er. Aber die Frage blieb. Im Gespräch mit Sebastian Labonte, Lukas Prandzioch und Marcus M. Lübbering erklärt Ott, was im Gehirn passiert, wenn wir abschweifen: zwei Netzwerke, die wie eine Wippe gegeneinander arbeiten, und eines davon — das Tagtraum-Netzwerk — wurde erst während seiner Forschungslaufbahn überhaupt entdeckt. Er beschreibt, warum ein Mantra dem Geist hilft, warum der Klang dabei mehr zählt als die Bedeutung, und welches Wort in einer alten Studie als Meditationsobjekt hoffnungslos durchfiel. Es geht aber auch um das, was sonst selten zur Sprache kommt. Ott berät seit Jahren Menschen, die nach zu früh angesetzten Kursen in eine Krise geraten sind. Er warnt vor Gruppen mit Kultcharakter, vor Seminaren für zweitausend Euro, vor dem Gedanken, ein zehntägiges Schweigeretreat sei eine Art Wellnessurlaub. Es ist, sagt er, intensive Arbeit am Selbst — man räumt den Keller auf, und da liegen eben ein paar Leichen rum. Und am Ende teilt er seine eigene tägliche Praxis: die Ruhe-Liebe-Klarheit-Meditation, Schritt für Schritt, vom Bauch über das Herz bis in den geistigen Raum. Wenn sie sitzt, sagt er, dauert sie fünf Atemzüge. Die sollte man im Alltag eigentlich haben. „Ich mache Seminare im Benediktushof. Ich brauche gar nicht Meditation zu unterrichten. Der Raum tut das. Man braucht sich einfach nur hinzusetzen. Und die Stille, die ist so laut." — Dr. Ulrich Ott „Es fordert erst mal Widerstand, weil unser Geist sehr gerne mentale Zeitreisen unternimmt." — Dr. Ulrich Ott „Wir haben gesehen, welches Potenzial in der Meditation liegt und was für eine verbindende Kraft darin liegt. Ich glaube, auch für die Gesellschaft." — Marcus M. Lübbering Kapitelmarken 00:00 — Anmoderation: ein Forscher, der die Stille misst 01:52 — Wie Marcus M. Lübbering und Ulrich Ott sich über einen Zeitungsartikel kennenlernten 03:36 — Kindheit in Frauenstein: Verbundenheit im Wald, Aufmerksamkeit beim Angeln 04:57 — Ein Satz aus einem Philosophiebuch: Atman gleich Brahman 10:53 — Was Yoga für Ulrich Ott ist: das Yogasutra des Patanjali 13:09 — Hinduistisch, buddhistisch, christlich: wo sich die Wege treffen 15:33 — Zehn Tage schweigen: was im Retreat mit einem geschieht 20:20 — Im Kernspin: Aufmerksamkeitsnetzwerk gegen Tagtraum-Netzwerk 22:51 — Nimmt die Fähigkeit ab, sich zu konzentrieren? 26:02 — Die Stufen: Selbstregulation, offenes Gewahrsein, Spiritualität 32:25 — Was eine Meditation tief macht: Retreat, Gruppe — und der Ort 33:37 — „Und die Stille, die ist so laut" 34:35 — Kirtan, Klang und die Studie über das Wort „Krik" 44:58 — Der Keller, in dem ein paar Leichen liegen 50:23 — „Meditation verstehen und anwenden" — in dieser Reihenfolge 55:51 — Gurus, Kultgruppen und was eine gute Gruppe ausmacht 58:54 — Notfallplan im Retreat: eine Befragung an Meditationszentren 1:04:40 — Die Ruhe-Liebe-Klarheit-Meditation, Schritt für Schritt 1:14:54 — Fünf Atemzüge für den Alltag 1:17:19 — Wen Ulrich Ott als nächsten Gast empfiehlt Im Gespräch erwähnt Dr. Ulrich Ott am Bender Institute of Neuroimaging, Gießen — dort erforscht der Gast seit über 25 Jahren veränderte Bewusstseinszustände mit bildgebenden Verfahren. Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) — das Institut, an dem Ulrich Ott angestellt ist und das sich auch mit außergewöhnlichen Erfahrungen befasst; Sebastian Labonte kündigt dieses Thema für ein nächstes Gespräch an. Beratungsstelle des IGPP — die kostenlose Anlaufstelle für Menschen in spirituellen oder meditationsbedingten Krisen, von der Ott im Gespräch mehrfach erzählt. Die Bücher von Ulrich Ott — „Meditation für Skeptiker", „Yoga für Skeptiker", „Gesund durch Atmen", „Spiritualität für Skeptiker" und zuletzt „Mentale Stärke statt Stress"; alle kommen in der Folge zur Sprache. Hans Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie — das Buch aus der Oberstufenzeit, zu dessen erstem Kapitel über den Yoga Ott immer wieder zurückkehrte. Karlfried Graf Dürckheim: Hara — von Ott als „Hara. Die Erdmitte des Menschen" genannt, heute unter dem Titel „Hara. Die energetische Mitte des Menschen" erhältlich; sein Zugang zur buddhistischen Praxis, und zufällig auch der von Marcus M. Lübbering. Philip Kapleau: Die drei Pfeiler des Zen — eines der Klassikerwerke, die Ott neben dem Psychologiestudium las. Joachim-Ernst Berendt: Nada Brahma. Die Welt ist Klang — Sebastian Labontes Empfehlung an der Stelle, an der es um die Wirkung von Klang geht. Thomas Metzinger — von ihm stammen die Begriffe „mentale Autonomie" und „Bewusstseinskultur", die im Gespräch eine zentrale Rolle spielen. Gert Scobel — Ulrich Ott Empfehlung für einen nächsten Podcastgast. Benediktushof, Holzkirchen — dort unterrichtet Ott Seminare; im großen Zendo, sagt er, unterrichte der Raum. Vipassana-Meditation in der Tradition von S. N. Goenka — die zehntägigen Schweigeretreats, über die Ott und Sebastian Labonte aus eigener Erfahrung sprechen. Haus Felsentor, Schweiz — Ort der Schweizer Pionierstudie, in der Zen-Praxis und Psilocybin in einem fünftägigen Retreat zusammengebracht wurden. Zentralinstitut für seelische Gesundheit, Mannheim — dort wird die therapeutische Wirkung psychedelischer Substanzen bei schweren Depressionen erforscht. MBSR-MBCT-Verband — Ott nennt MBSR als Beispiel für einen Kurs, in dem der Austausch mit kompetent Lehrenden Teil des Konzepts ist. Kloster Eberbach — für Ott begann die Meditation schon auf dem Parkplatz: Die Ruhe vieler Jahrhunderte liege in diesem Tal. Wiesbadener Kurier — der Artikel über wissenschaftliche Meditationsforschung, über den Marcus M. Lübbering damals den Kontakt zu Ulrich Ott suchte. (Ohne Link, die Adresse ließ sich nicht prüfen.) Patanjali, Yogasutra — die klassische Darstellung des achtgliedrigen Yoga, die Ott als Vorbild wissenschaftlicher Klarheit beschreibt. Vivekananda: Raja Yoga — sein damaliges Lieblingslehrbuch, das er beim Lesen zu hören glaubte. Patricia Carrington — von ihr stammt die Studie aus den 1980er Jahren, in der „LOM" als bestes und „Krik" als schlechtestes Mantra abschnitt. Maranatha-Meditation — die Form, die in der Academie Kloster Eberbach geübt wird und über die im Gespräch immer wieder gesprochen wird. „Wegweiser Meditation" — Otts Buch mit Qualitätskriterien und Checklisten, das im kommenden Jahr erscheinen soll. Über die Academie Kloster Eberbach Die Academie Kloster Eberbach steht auf christlichem Fundament und ist offen für alle, die nach gelebter Spiritualität im Alltag suchen. Sie lädt zu Meditation, Seminaren, Vorträgen und Gesprächen ein — mittwochs auch weiterhin zur Meditation im Kloster, wie es im Gespräch zur Sprache kommt. Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat, abonnieren Sie den Podcast — so verpassen Sie keine Ausgabe. Über Rückmeldungen, Fragen und Themenwünsche freuen wir uns; schreiben Sie uns gern über die Website der Academie. Hören können Sie uns hier: Academie Kloster Eberbach – Der Podcast Spotify Apple Podcasts Deezer `