Aus der Bauhütte

Antje Hansen & Barbara Rüth

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Der Freimaurerinnen-Podcast

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OCT 9, 2026
Freimaurerische Werkzeuge - das Senkblei
Was haben ein Schriftsteller vom Mississippi, ein Prophet aus dem achten Jahrhundert vor Christus und zwei Freimaurerinnen gemeinsam? Mit dieser Frage steigen Antje und Barbara in die neue Folge Aus der Bauhütte - der Freimaurerinnenpodcast ein und sprechen diesmal über ein zentrales freimaurerisches Arbeitswerkzeug, das Senkblei. Ein Senkblei ist im Grunde denkbar simpel: ein Gewicht, meist aus Blei, an einer Schnur befestigt. Man hält die Schnur oben fest, lässt das Gewicht frei hängen, und nach kurzer Zeit es stellt sich exakt senkrecht ein – die Schwerkraft übernimmt die gesamte Präzisionsarbeit. In der Oktober-Folge folgen die Podcasterinnen der Spur von der Handwerksgeschichte, über eine Bibelstelle, in der Amos und Jesaja das Lot als Maß für Recht und Gerechtigkeit nutzen, und weiter bis zu den Lotsen der Flussschifffahrt. Dabei erfahren wir, was Mark Twain mit dem Lot zu tun hat und warum der „Lotse“ trotz des Klanggleichheit sprachlich nichts mit ihm zu tun hat. Natürlich erläutern sie auch, was das Senkblei in der Loge bedeutet: Aufrichtigkeit und Gleichheit sind nur zwei Facetten dieses reichhaltigen Symbols. Das Senkblei zeigt nicht, wie etwas sein soll, sondern wie es tatsächlich ist. Damit ist es ein wertvolles Werkzeug der Gegenwart, denn es kann uns sehr deutlich zeigen, wo die Welt gerade aus dem Lot geraten ist, und wo wir selbst das Lot nicht anlegen, obwohl wir es könnten. Außerdem wird erörtert, wann das Lot im Alltag hilft - im Streit, beim ehrlichen Feedback oder in der Krise. Und warum „im Lot sein“ nicht bedeutet, fehlerfrei zu sein.
18 MIN
SEP 11, 2026
Die Freimaurer und das Gipfel-Phänomen
Wer kennt das nicht? Nach einer großen Anstrengung, nach einer Zeit, in der das Erreichen eines Zieles im Mittelpunkt es eignen Handelns stand, folgt oft auf die Freude eine Phase der Unsicherheit. Wunderbar ist es, wenn es gelingt, die Freude, die Fülle des Augenblickes, eine Weile zu genießen, aber irgendwann taucht unweigerlich die Frage auf: Was kommt jetzt? Alles ist scheinbar erreicht und ein neuer Plan muss erst entwickelt werden. In der Freimaurerei ist der Weg durch die drei Grade, Lehrling, Geselle und Meister, klar strukturiert. Es gibt ein Ziel, eine Progression, ständige neue Eindrücke und Rituale. Ist der Meistergrad erreicht, fällt dieser äußere Entwicklungsdruck weg. Nun beginnt die Zeit, sich selbst immer wieder neue Ziele zu setzen und die eigentliche Arbeit mit all unseren Werkzeugen zu beginnen. Dieser Switch von der Lernenden zur Gestalterin geling nicht automatisch. Wer Freimaurerei vor allem als persönliches Entwicklungs- und Selbsterfahrungstool („Arbeit am rauen Stein“) begreift, gerät nach dem Meistergrad schnell in ein Vakuum, wenn der Blickwinkel nicht aktiv erweitert wird. Der Fokus muss sich vom Aufnehmen, der Selbstbetrachtung, zum Geben, zum Dienst an der Gemeinschaft und der Weitergabe verschieben. Schafft eine Schwester diesen Perspektivwechsel nicht, wirkt die Arbeit plötzlich repetitiv. Vielleicht ist dies ein Grund, warum auch wir in der Freimaurerei gelegentlich eine Situation beobachten müssen die in der Psychologie das Gipfel-Phänomen genannt wird. Einige Schwestern und Brüder verlieren wenige Jahre nach der Erhebung die Freude an der Begegnung und damit die Bindung an ihre Loge.
22 MIN
AUG 14, 2026
Gut genug
KITSCHKRIEG feat. BLUMENGARTEN & SHIRIN DAVID - GUT GENUG, dieser Song wird zur Zeit besonders von jungen Leuten bei allen möglichen Gelegenheiten angestimmt. Grund genug für Antje und Barbara sich dem Thema Selbstliebe in der aktuellen Sommerfolge zu widmen. Dabei beleuchten sie dieses in Deutschland schon immer ambivalent diskutierte Thema nicht nur im pop- und alltagspsychologische Diskurs, sondern betrachten auch die Kommerzialisierung und den therapeutisch-klinische Kontext. Selbstliebe kann als fundamentale Basis für Resilienz und psychische Gesundheit verstanden werden oder auch als Werkzeug, um überhaupt erst in Resonanz mit der Welt treten zu können. Häufig hängt dem Streben nach Selbstliebe aber auch ein ausbeuterischer Optimierungszwang oder die vermeintliche Förderung von Narzissmus und Egoismus an. Dieses Spannungsfeld zwischen Befreiung/Heilung und Leitungspflicht bzw. Ich-Bezogenheit ist kein neues und auch kein rein europäisches Phänomen. Es wird beispielhaft bereits bei Aristoteles und später bei Rousseau, aber auch im Konfuzianismus und Buddhismus sowie in der Philosophie von Ubuntu (Südafrika) besprochen. In der Freimaurerei begegnet einem das Konzept der Selbstliebe ebenfalls fast auf Schritt und Tritt, auch wenn das Wort selbst in den Ritualen und Zeichnungen selten so explizit genannt wird. Die maurerischen Werkzeuge und die wesentlichen Sinnbilder in der Freimaurerei fordern aber die Brüder und Schwestern immer wieder dazu auf, sich mit dem Erkenne dich selbst und der Kette als Symbol der Gemeinschaft zu befassen.
27 MIN
JUL 10, 2026
Der Kompromiss - viel besser als sein Ruf
Wer denkt schon an den Begriff Kompromiss beim Stichwort Freimaurerei? Wir bemühen uns in der Loge, das Trennende zu vermeiden und das Gemeinsame zu stärken. So könnte man im ersten Moment glauben, dass der Kompromiss in der Loge gar nicht vorkommt. Aber das täuscht: Wie überall, wo Menschen aus unterschiedlichen Zusammenhängen und mit verschiedenen Bedürfnissen zusammen kommen, ist auch bei uns in der Freimaurerei der Kompromiss Grundlage von demokratischen Entscheidungen und Grundlage für gemeinsames Handeln. Ob in der Familie oder in der Politik: Kompromisse sind unumgänglich. Gerade auch für den Erhalt der Demokratie ist es notwendig, immer wieder Kompromisse einzugehen. Ohne sie geht es nicht. Im Kompromiss geht es nicht darum, dass eine Seite "gewinnt" oder "verliert“, sondern um das gemeinsame Vertrauen in ein drittes, verbindendes Element. Es ist ein Akt der bewussten Selbstbegrenzung aus freiem Willen. Ein Kompromiss ist in diesem Sinne kein Verlust von Substanz, sondern das bewusste Glätten von Extremen, damit Gemeinschaft tragfähig wird. In der Öffentlichkeit erleben wir oft, dass sich Menschen hinter starren Positionen verbarrikadieren. Auf dieser Ebene der Positionen gibt es mathematisch oft keine Schnittmengen mehr. Durch das systematische Fragen nach dem Warum, nach den dahinterliegenden Interessen und Bedürfnissen, können wir uns aber dennoch annähern und wieder ins Gespräch kommen. Dafür nehmen wir uns in den Logen ganz bewusst Zeit und lassen die Überlegung zu, dass vielleicht die Andere tatsächlich über das bessere Argument verfügt. Wenn der Druck schwindet, Recht behalten zu müssen, öffnet sich der Raum für das sachliche Abwägen. In der Juli-Folge "Aus der Bauhütte" sprechen Antje und Barbara nicht nur über ethisch-soziologische Modelle zur Kompromiss-Bildung, sondern entdecken auch ganz konkret die Aufforderung zum Kompromiss in der freimaurerischen Symbolik.
26 MIN