/https://images.podigee-cdn.net/0x,sPVL5KpxZKQplkEz0UTx_4jzg5NLiHOyaRcT14J7fzgA=/https://main.podigee-cdn.net/uploads/u73476/eb8d2228-3ddc-48d3-bd20-44046db31399.png)
Barbara & Heiko
Barbara Messer & Heiko Gruner
0015 Ich kann alleine sein. Aber ich will es nicht mehr.
OCT 1, 202632 MIN
/https://images.podigee-cdn.net/0x,sPVL5KpxZKQplkEz0UTx_4jzg5NLiHOyaRcT14J7fzgA=/https://main.podigee-cdn.net/uploads/u73476/eb8d2228-3ddc-48d3-bd20-44046db31399.png)
Description
Über eine Nacht getrennt, die Sehnsucht nach Geborgenheit und unsere Entscheidung für das Zusammensein.
„Es ist so schön, dass du da bist.“
Mit diesem Satz beginnt unser Gespräch.
Vor zwei Nächten waren wir zum ersten Mal seit langer Zeit nicht zusammen. Barbara übernachtete wegen ihres letzten Seminars im Hotel, Heiko blieb allein in unserer Wohnung.
Früher wäre das für uns beide vollkommen normal gewesen.
Barbara hat lange allein gelebt und weiß, dass sie es kann. Heiko kannte über Jahre Beziehungen, in denen Zusammensein und Trennung zum Wochenrhythmus gehörten. Freitag zusammenkommen, Sonntag wieder auseinandergehen.
Seit unserer Hochzeit hat sich das verändert.
Wir haben irgendwann entschieden, unserer gemeinsamen Zeit den Vorzug zu geben. Barbara ist mit nach Unterschleißheim gefahren, statt Heiko wieder in den Nachtzug steigen zu lassen. Wir haben Termine, Arbeit und Reisen so organisiert, dass wir möglichst nicht mehr getrennt schlafen.
Bis zu dieser einen Nacht.
Und ausgerechnet sie zeigt uns, was inzwischen selbstverständlich geworden ist.
Die gemeinsame Nacht ist für Barbara ein besonderer Raum. Einschlafen, aufwachen, nachts den anderen neben sich spüren, noch ein paar Worte wechseln. Sie erinnert sich an eine frühere Wohngemeinschaft, in der alle manchmal ihre Matratzen zusammenlegten und im selben Raum schliefen, einfach weil sie diese Nähe und Geborgenheit mochten.
Heiko macht während unseres Gesprächs eine andere Entdeckung.
Er merkt, dass er sein früheres Alleinsein nicht unbedingt deshalb so gut ausgehalten hat, weil ihm nichts fehlte. Er hatte einen Alltag und Rituale entwickelt, mit denen es funktionierte. Erst nachdem wir lange zusammen waren und diese eine Nacht wieder getrennt verbrachten, konnte er den Unterschied spüren.
Das führt uns zu einer unbequemen Frage:
Ist Alleinsein immer Freiheit, nur weil wir es selbst gewählt haben?
Wir kennen die Sätze: Ich brauche niemanden. Ich kann gut alleine sein. Ich habe keine Lust mehr auf Beziehung. Ich genieße meine Freiheit.
Wir wollen diese Entscheidungen nicht beurteilen. Aber wir nehmen unsere eigene Erfahrung ernst und fragen uns, was wir selbst in den Jahren des Alleinseins vermisst, verdrängt, ausgehalten oder gar nicht mehr gespürt haben.
Denn natürlich gibt es auch in unserer Beziehung den Wunsch, allein zu sein.
Barbara genießt vier oder fünf Stunden für sich, in denen sie schreiben, arbeiten oder einfach ihrem eigenen Rhythmus folgen kann. Der entscheidende Unterschied für sie ist: Sie weiß, dass Heiko am Abend wieder da ist.
Alleinzeit ist etwas anderes als Alleinsein.
Und dann kommen wir auf unsere Symbiose zu sprechen. Ist so viel Nähe gesund? Wo bleibt das Ich? Müssen wir uns stärker voneinander abgrenzen?
Diese Fragen begleiten uns. Gleichzeitig erleben wir, dass unser enges Zusammensein uns immer wieder mit uns selbst konfrontiert. Der andere ist Spiegelfläche. Wir können bestimmte Dinge nicht mehr so leicht vertagen oder umgehen.
Allein hätte jeder von uns manches mit sich selbst ausmachen können.
Jetzt machen wir einen Teil dieser Arbeit gemeinsam.
Wir nennen es in dieser Folge: zusammen reiner werden.
Und am Ende landen wir wieder im ganz normalen Alltag.
Heiko macht morgens den Kaffee und
Barbara macht abends die Wärmflasche.
Oder war es andersherum?
Egal.
Der andere ist da.
Und genau das ist für uns inzwischen ein großes Glück.

