Barbara & Heiko

Barbara Messer & Heiko Gruner

0016 Zwischen den Leben

OCT 2, 202629 MIN

Description

Über letzte Male, erste Male und die Tage, in denen das Alte vorbei ist und das Neue noch nicht begonnen hat. „Ich habe das tiefe Bedürfnis, festzuhalten, was gerade passiert, bevor wir mit großen Schritten auf das Nächste zugehen.“ Damit beginnt diese Folge. Wir befinden uns in einer Woche voller letzter und erster Male. Heiko ist am zweiten Tag seiner Altersteilzeit. Ein ganzes Leben lang gehörte Arbeit zu einer festen Struktur: Arbeitstage, freie Tage, Urlaub, Wochenende. Jetzt fällt diese Ordnung weg. Und Heiko sagt zunächst: „Jetzt habe ich frei.“ Aber ist das wirklich frei? Oder beginnt gerade etwas vollkommen Neues? Barbara kommt aus einer anderen Arbeitswelt. Schreiben, Seminare, Bücher, Ideen und Projekte waren nie sauber von ihrem Leben getrennt. Nun hat auch sie eine Schwelle überschritten: Das letzte Seminar ist vorbei. Nach 27 Jahren endet ihre Arbeit als Trainerin. Damit taucht für uns beide dieselbe Frage auf: Wer bin ich ohne das, was ich so lange beruflich gewesen bin? Wer ist Heiko ohne den Ingenieur? Wer ist Barbara ohne die Trainerin? Und was bleibt von all dem, was wir können, wenn die bisherige Form dafür verschwindet? Wir räumen währenddessen nicht nur beruflich auf. Zeichnungen, die Jahrzehnte aufgehoben wurden, kommen weg. Dinge werden verkauft und verschenkt. Barbara stellt eine Kiste für das Feuer zusammen. Darin landen Erinnerungen, die nicht mit in das neue Leben müssen. Andere Dinge dürfen unbedingt mit. Eine Trommel. Die Mesa. Ein Brett aus Barbaras früherem Museum, das in der Aurora zum Gewürz- oder Bücherregal werden könnte. Wir entscheiden gerade ganz konkret: Was gehört noch zu uns? Und gleichzeitig entstehen die ersten Bilder des Neuen. Wir überlegen, wen wir auf dem Weg nach Süden noch besuchen wollen. Wir rechnen Kilometer. Irgendwo auf der Liste taucht zum ersten Mal die Fähre auf, die uns auf den afrikanischen Kontinent bringen wird. Plötzlich wird aus einer Idee eine Route. Heiko beschreibt, dass ihm gerade die Struktur seines bisherigen Lebens fehlt. Barbara spürt dagegen ein fast vogelfreies Gefühl. Die Freiheit beginnt, in ihr Platz einzunehmen. Und dann finden wir ein Bild für diesen Zustand: eine Schleuse. Wer schon einmal mit einem Boot in einer Schleuse war, kennt diesen Moment. Die Tore sind geschlossen. Das Wasser steigt oder sinkt. Man kann die Weiterfahrt nicht beschleunigen. Man hält sich fest. Und wartet, bis die Höhe stimmt. Genau dort fühlen wir uns gerade. Wir sprechen darüber, womit wir unsere kommende Lebenszeit füllen wollen. Natur. Schwimmen. Wandern. Schreiben. Spielen. Ausruhen. Gestalten. Zusammensein. Den Kranichen zuhören. Dinge tun, die für uns Bedeutung haben. Und damit taucht eine größere Frage auf: Womit verbringen wir eigentlich unsere Lebenszeit? Nicht erst in der Rente. Nicht erst auf einer großen Reise. Heute. Wir können unser Leben mit Dingen füllen, die erledigt werden müssen. Wir können uns beschäftigen und ablenken. Oder wir können immer wieder fragen, was für uns wesentlich ist und wie wir unsere Fähigkeiten in diese Welt bringen wollen. Noch haben wir darauf keine fertige Antwort. Heiko geht gleich wieder zur Aurora und schraubt weiter. Barbara räumt weiter aus. Die Schleusentore sind noch geschlossen. Aber wir wissen inzwischen, in welche Richtung wir fahren.