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Barbara & Heiko
Barbara Messer & Heiko Gruner
0019 Was und wie wir voneinander lernen
OCT 15, 202629 MIN
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Description
Über scheinbare Gegensätze, unterschiedliche Denkweisen und die Entdeckung, wie viel wir gemeinsam haben.
Was und wie wir voneinander lernen
Aufgenommen auf Mykonos, mit Blick auf die Kreuzfahrtschiffe und Schnellfähren in der Bucht.
„Das ist nicht faszinierend. Das ist schlussfolgerichtig.“
Barbara staunt über die hohe Heckwelle einer vorbeifahrenden Schnellfähre. Heiko erklärt ihr, warum sie entsteht.
Für ihn ist die Sache logisch.
Und schon sind wir mitten in unserem Thema.
Wir erleben die Welt häufig unterschiedlich. Barbara kann sich für etwas begeistern, das Heiko ganz selbstverständlich erscheint. Heiko findet Erklärungen und technische Zusammenhänge interessant, die Barbara zunächst einfach nur zum Staunen bringen.
Dabei fällt uns auf, dass wir uns mit jeder solchen Begegnung ein wenig besser kennenlernen.
Heiko erzählt von seinem Spitznamen aus der Schulzeit: Spock. Nicht nur wegen seiner etwas spitzen Ohren passt diese Figur aus Raumschiff Enterprise zu ihm. Auch seine nüchterne, logisch geprägte Art erkennt er darin wieder.
Und Barbara lernt, dass hinter Heikos manchmal ungerührter Reaktion keine Gleichgültigkeit steckt, sondern eine andere Weise, die Welt zu betrachten.
Schnell entscheiden oder erst einmal nachdenken?
Wir sprechen über unsere unterschiedlichen Strategien, mit Aufgaben und Entscheidungen umzugehen.
Barbara denkt gern voraus, plant und entscheidet möglichst früh. Für sie schafft eine Entscheidung Klarheit und Handlungsspielraum.
Heiko prüft lieber verschiedene Möglichkeiten, bevor er sich festlegt. Er braucht manchmal Zeit, um seine Gedanken zu ordnen.
Was Barbara früher als Verzögerung erlebt hätte, kann sie heute zunehmend schätzen.
Denn wenn Heiko sagt, dass er über etwas nachdenken möchte, kommt er später tatsächlich darauf zurück.
Umgekehrt entdeckt Heiko, dass frühe Entscheidungen nicht unbedingt unüberlegt sein müssen. Sie können auch dazu beitragen, Risiken rechtzeitig zu erkennen und Lösungen zu ermöglichen.
Wir lernen, dass hinter unseren verschiedenen Strategien häufig dasselbe Anliegen steckt: verantwortungsvoll mit einer Situation umzugehen.
Vertrauen heißt auch, den anderen machen zu lassen.
In den vergangenen Tagen hatten wir reichlich Gelegenheit, das zu üben.
Als unsere Aurora eine Panne hatte, begann Heiko sofort mit der Fehlersuche. Er recherchierte, untersuchte den Motor und suchte nach technischen Lösungen.
Barbara ließ ihn machen.
Am nächsten Tag, als unser Flug ausfiel und wir neue Verbindungen organisieren mussten, war es umgekehrt. Barbara übernahm die Organisation und Heiko ließ ihr den Raum dafür.
Wir sprechen darüber, wie viel Vertrauen darin liegt, die Kompetenz des anderen anzuerkennen, ohne sich ständig einzumischen.
Und wie entlastend es ist, nicht für alles selbst verantwortlich sein zu müssen.
Auch beim gemeinsamen Umgang mit Geld lernen wir gerade, Verantwortung zu teilen, Entscheidungen miteinander abzustimmen und einander mehr zuzutrauen.
Was hat Sushi mit Lernen zu tun?
Eine ganze Menge, wie wir feststellen.
Barbara liebt es, beim Sushi-Essen die Speisekarte genau zu studieren, Mengen zu vergleichen und eine möglichst schöne Zusammenstellung auszuwählen.
Inzwischen nutzt sie dafür sogar ChatGPT.
Heiko sitzt währenddessen entspannt daneben. Er vertraut darauf, dass Barbara etwas aussucht, das beiden schmeckt und von dem sie satt werden.
Was für den einen eine anspruchsvolle kleine Planungsaufgabe ist, kann für den anderen ein Moment des Loslassens sein.
Und beides gehört zu unserem gemeinsamen Essen.
Unsere Eigenarten werden verständlicher.
Je mehr Zeit wir miteinander verbringen, desto mehr entdecken wir über die alltäglichen Gewohnheiten des anderen.
Warum möchte Barbara zwischen Innen- und Außenschuhen unterscheiden?
Warum ist ihr wichtig, welche Decke auf dem Bett liegt und wann man sich daraufsetzen kann?
Warum gibt es in ihrer Küche ein Schneidebrett, auf dem ausdrücklich „Zwiebeln“ steht?
Heiko entdeckt die Logik hinter diesen Prinzipien.
Und Barbara merkt, dass sie beide logische Zusammenhänge lieben, auch wenn sie sie auf unterschiedliche Weise herstellen.
Wir sprechen über Kochen und Spülen, über Musik, über Ordnung und über das Zusammenleben auf engem Raum.
Barbara kocht gern. Heiko spült gern und macht die Küche anschließend gründlich sauber.
Was für andere eine lästige Hausarbeit ist, kann für uns eine Gelegenheit sein, zur Ruhe zu kommen und nachzudenken.
Wir stellen fest, wie viel leichter unser Alltag wird, wenn wir die Eigenarten des anderen nicht ständig verändern wollen.
Manchmal lernen wir erst, wenn wir an unsere Grenzen kommen.
Nicht alle Erkenntnisse entstehen so spielerisch wie beim Sushi-Essen oder beim Blick auf eine Heckwelle.
Manches mussten wir in den vergangenen Monaten mühsam lernen.
Hilfe anzunehmen. Verantwortung abzugeben. Eigene Grenzen zu erkennen. Darauf zu vertrauen, dass der andere auch in schwierigen Situationen an unserer Seite bleibt.
Wir sprechen darüber, wie viel sich gerade in unserem gemeinsamen Leben verändert.
Heiko ist seit Anfang Oktober in der Ruhephase seiner Altersteilzeit. Wir bereiten unsere weitere Reise mit der Aurora vor und verbringen sehr viel Zeit miteinander.
Damit entstehen neue Möglichkeiten, aber auch neue Fragen.
Wie organisieren wir unser Leben? Welche Aufgaben übernimmt jeder von uns? Welche Gewohnheiten möchten wir beibehalten? Welche verändern wir?
Und was lernen wir dabei über unsere eigenen Bedürfnisse?
Vielleicht ist das Wichtigste die Bereitschaft, genau hinzuschauen.
Wir müssen nicht alles genauso machen wie der andere.
Wir müssen auch nicht jede Eigenart übernehmen.
Aber wir können neugierig bleiben.
Warum machst du das so? Was ist dir daran wichtig? Was kann ich darin erkennen, das mir bisher verborgen geblieben ist?
Manchmal entdecken wir dadurch eine Fähigkeit des anderen.
Manchmal eine überraschende Gemeinsamkeit.
Und manchmal verstehen wir uns selbst ein bisschen besser.
Am Ende unseres Gesprächs stellen wir fest, dass wir an diesem Tag schon wieder ziemlich viel gelernt haben.
Und beschließen lachend:
„Heute haben wir genug gelernt.“

