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Barbara & Heiko
Barbara Messer & Heiko Gruner
0020 Wir wohnen im Miteinander
OCT 16, 202629 MIN
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Description
Über das letzte Mal auf Mykonos, die Kunst des Reisens und das Glück, überall zu Hause sein zu können.
Wir wohnen im Miteinander
Aufgenommen am 15. Oktober 2026 im Hotel Artemis in Agios Stefanos auf Mykonos.
Wir sitzen Hand in Hand auf unserem Bett und schauen durch die geschlossene Balkontür auf den Sonnenuntergang.
Draußen ist es kalt und stürmisch geworden. Der Wind fegt über den Strand, die Wolken verändern sich ständig und die großen Kreuzfahrtschiffe liegen draußen in der Bucht.
Eigentlich ist es ein ganz gewöhnlicher Abend.
Doch eine Begegnung am Nachmittag beschäftigt uns.
Wir haben eine Familie wiedergetroffen, der wir in dieser Woche bereits zweimal begegnet sind. Zuerst an einem Strand, dann zufällig vor einem Waschsalon und schließlich in einem kleinen Geschäft.
Wir kommen ins Gespräch. Und der Mann sagt zu uns:
„Wir hatten das Gefühl, ihr wohnt hier.“
Dieser Satz bleibt bei uns hängen.
Was strahlen wir aus, dass andere Menschen uns nicht für Urlauber halten?
Wir gehen essen, kaufen ein, waschen unsere Wäsche, arbeiten an unseren Projekten und besuchen Geschäfte, in denen man uns inzwischen wiedererkennt.
Wir kennen unsere Lieblingsorte. Wir wissen, wo wir gerne parken, wo wir baden und wo wir am liebsten essen.
Und wir haben es nicht eilig, die touristischen Sehenswürdigkeiten abzuarbeiten.
Vielleicht ist genau das der Unterschied.
Eine unspektakuläre Insel mit einer besonderen Geschichte
Mykonos ist keine Insel, die uns durch üppige Landschaften oder außergewöhnliche Natur beeindruckt.
Sie ist karg. Viele Orte sind vom Tourismus geprägt. Kreuzfahrtschiffe bringen täglich Tausende Besucher auf die Insel.
Und trotzdem hat Mykonos für uns eine besondere Bedeutung.
Barbara kam 2024 zum ersten Mal hierher. Im Oktober 2025 verbrachte sie drei Wochen allein auf der Insel. Sie wollte schreiben, nachdenken und lernen, eine längere Zeit ganz mit sich selbst zu verbringen.
Während dieses Aufenthalts begann unser Kontakt.
Wenige Tage später trafen wir uns zum ersten Mal persönlich.
Im Juni 2026 kamen wir als frisch verheiratetes Paar zurück und verbrachten hier unsere Flitterwochen.
Und nun sind wir wieder da.
Barbara hat inzwischen das Buch fertiggeschrieben, das sie im vergangenen Jahr auf Mykonos begonnen hatte.
Wir sitzen in demselben Hotelzimmer, in dem sie damals allein geschrieben hat.
Ein Kreis scheint sich zu schließen.
Was bedeutet es, zum letzten Mal an einem Ort zu sein?
Wir glauben, dass wir wahrscheinlich nicht mehr nach Mykonos zurückkehren werden.
Nicht, weil es uns hier nicht gefällt.
Sondern weil vor uns eine lange Reise liegt und wir noch so viele andere Orte kennenlernen möchten.
Mit diesem Gedanken verändert sich unser Blick.
Wir überlegen, wo wir noch einmal essen möchten. Welchen Strand wir ein letztes Mal besuchen wollen. In welches kleine Schmuckgeschäft wir noch einmal hineinschauen möchten.
Wir denken an die Menschen, die uns hier begegnet sind.
An die Inhaberin eines zauberhaften Geschäfts, zu dem man einige Stufen hinuntersteigen muss und vor dessen Katze ein kleines Schild warnt.
An die Menschen im familiengeführten Hotel Artemis, die Barbara inzwischen mit Namen ansprechen.
An die kleinen Rituale, die diesen Ort für uns vertraut gemacht haben.
Plötzlich bekommen selbst unscheinbare Begegnungen eine besondere Bedeutung.
Sind wir eigentlich noch Touristen?
Diese Frage führt uns zu unserem neuen Leben.
Wir haben unsere bisherigen beruflichen Verpflichtungen weitgehend abgeschlossen. Unsere Aurora wird für die große Reise vorbereitet.
Und wir beginnen zu begreifen, dass das Reisen künftig unser Alltag sein wird.
Aber wie sieht ein solcher Alltag aus?
Wir erinnern uns an frühere Reisen, an lange Fahrten mit dem Fahrrad, an das Leben im Wohnmobil und an die wiederkehrenden Handgriffe des Unterwegsseins.
Packen, fahren, einen Schlafplatz finden, einkaufen, kochen, waschen, weiterfahren.
Dabei entstehen Rhythmen.
Und diese Rhythmen geben auch einem Leben voller Veränderungen eine gewisse Verlässlichkeit.
Wir sprechen darüber, wie wir künftig unterwegs sein möchten.
Wie viel Planung brauchen wir? Wie viel Offenheit möchten wir zulassen? Was gibt uns Geborgenheit, wenn sich die Umgebung ständig verändert?
Und wie können wir uns die Neugier bewahren, die kleinen Dinge zu entdecken?
Ein Märchenfilm an einem kalten Nachmittag
Manchmal ist das Glück ganz einfach.
Am Vortag waren wir einige Stunden im kalten Wind unterwegs. Irgendwann schlug Barbara vor, zurück ins Hotel zu fahren und einen Märchenfilm anzuschauen.
Heiko war sofort begeistert.
Also lagen wir am Nachmittag unter einer warmen Decke und schauten Rübezahl.
Mitten auf einer griechischen Insel, auf der man eigentlich Sonne und Strand erwarten würde.
Wir fanden es wunderbar.
Solche Momente erzählen vielleicht mehr über unser gemeinsames Leben als jede große Sehenswürdigkeit.
Wir müssen nicht ständig etwas Außergewöhnliches erleben.
Manchmal genügt es, miteinander einen gemütlichen Nachmittag zu verbringen.
Das Besondere im Alltäglichen entdecken
Wir sprechen über das Frühstück im Hotel, das wir mit ein paar selbst gekauften Dingen ergänzen.
Über eine Katze, die uns begegnet.
Über einen neuen Blick auf das Meer.
Über Treibholz am Strand und die Freude, in einer fremden Umgebung allmählich vertraute Wege zu haben.
Und darüber, dass wir unser Leben künftig leichter gestalten möchten.
Weniger Anstrengung, weniger Hetze, weniger das Gefühl, ständig etwas leisten oder erreichen zu müssen.
Dafür mehr Zeit, genauer hinzuschauen.
„Wir wohnen im Miteinander.“
Diesen Satz sagt Heiko, als wir darüber sprechen, warum andere Menschen glauben, dass wir auf Mykonos leben.
Er bleibt uns beiden im Gedächtnis.
Denn vielleicht beschreibt er am besten, was wir gerade entdecken.
Wir werden in den kommenden Jahren an vielen Orten sein. Wir werden Menschen kennenlernen und uns wieder von ihnen verabschieden. Manche Orte werden wir vielleicht nie wiedersehen. An andere möchten wir unbedingt zurückkehren.
Aber wir nehmen etwas mit, das nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist.
Unser Miteinander.
Und die Möglichkeit, jeden neuen Tag gemeinsam zu gestalten.
Am Ende unseres Gesprächs ist die Sonne untergegangen. Der Mond erscheint über dem Meer.
Wir sitzen noch immer auf unserem Bett und freuen uns darüber, dass wir hier sind.
Dass wir leben. Und dass wir dieses Leben miteinander teilen dürfen.
Kalinichta. Gute Nacht aus Mykonos.

