"Jesus will uns aufrütteln" - Gespräch mit Dr. Thomas Lemmen
Im Lukasevangelium, Kapitel 12, Verse 39 bis 48, spricht Jesus eindringlich über Wachsamkeit und Verantwortung. Auf seinem Weg nach Jerusalem ist ihm bewußt, dass ihn dort Leiden erwarten. Jesus mahnt seine Zuhörer - im Angesicht seines tragischen Schicksals - auf die Wiederkunft des Herrn vorbereitet zu sein. Doch warum droht Jesus mit Schlägen? Ist das schwarze Pädagogik? Dr. Thomas Lemmen ordnet die drastischen Bilder in den Gesamtkontext des Evangeliums ein: Sie sollen nicht wörtlich verstanden werden, sondern die Menschen aufrütteln. Die Botschaft: Wer um seinen Auftrag weiß, trägt Verantwortung für sein Handeln. Wer wider besseres Wissen handelt, muss sich stärker verantworten als jemand, der es nicht besser wusste. Dr. Thomas Lemmen ist katholischer Theologe, Islamexperte und Honorarprofessor an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen. Bis vor wenigen Wochen war er Referent für Islamfragen im Erzbistum Köln.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Da sagte Petrus: Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns oder auch zu allen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen. Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen. (Lk 12,39-48)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)