ELBBLICK Podcast

Nussin Armbrust

#120 Biggy Pop - Journalistin & Texterin

OCT 23, 202635 MIN

Description

Moderatorin & K-Pop Expertin Birgit Reuther, besser bekannt als Biggy Pop, ist Journalistin, Moderatorin, Texterin und hat in Sachen K-Pop absolute Expertise erlangt. Sie selbst reiste schon nach Korea, um ihr Wissen zu vertiefen, legte auf dem Korean Food Festival in Hamburg auf und beobachtet, wie die Fan-Faszination K-Pop funktioniert. Allerdings sprechen wir auch über ihre Leidenschaft als DJane auf der Barkasse Hedi, über Journalismus und die Hamburger Kulturlandschaft. Aufgewachsen am Niederrhein verschlug es sie in den 90ern nach Hamburg. Die Sterne haben sie fasziniert und über ihr Studium Bamberg kam sie letztendlich in den Norden, mit der Hoffnung, auf ein wilderes, spannendes Leben und noch mehr Musik. Im Molotow liebte sie, wenn der Schweiss von der Decke tropfte, im Pudel fand sie spannend, dass sie nie wusste, wer spielt und im Blauen Peter machte sie ihre ersten Indie-Erfahrungen. Für Biggy war Hamburg ein schönes, buntes Treiben, von Rock, Punk, Indie, Soul - all die Eindrücke und Clubs, die es teilweise heute nicht mehr gibt. Die Erinnerungen sind geblieben, doch nostalgisch wird sie nicht: Denn für sie entsteht in Hamburg immer wieder was Neues, oder Clubs, wie das Knust, dass sich seit über 50 Jahren neu erfindet. Sie schätzt, wie innovativ Hamburgs Kulturlandschaft ist und sich stets weiterentwickelt oder neue Orte entstehen. Wie sie das Pensum schafft, Neues zu entdecken? Ihr Geheimnis: Gezieltes losgehen, abwägen, welche Veranstaltungen es gibt und vielleicht muss es ja auch nicht immer nachts sein? Über sich selbst sagt sie, sie ist introvertiert - extrovertiert. Ihre Lust, unterwegs zu sein, sich aber die entsprechende Ruhezeiten zu gönnen. Als DJane findet man sie auf der Barkasse Hedi, die ein wenig Kultstatus erreicht hat und generationsübergreifend funktioniert. Wie zum Beispiel beim Korean Food Festival, wo Alt und Jung zusammen kamen. K-Pop ist mehr nur als "Boy- und Girlgroup". Was sie fasziniert: Verschiedene Genre und Stile verschmelzen in den Sounds. Es gibt im K-Pop so viel zu entdecken, was auch überwältigend sein kann. Ihre Reisen nach Korea brachte sie zu Deep Research: Sie besuchte Cafés, Stores und Plattenläden. Was K-Pop anders macht? Dass es ein Kunstwerk ist, was auf verschiedenen Ebenen gedacht wird: Konzeptionell nicht nur in Sachen Musik, sondern ebenfalls Food, Fashion und Beauty. Wer diesem Konzept ähnelt? Für Biggy ist es in Hamburg auf jeden Fall Nina Chuba: Sie kreiiert nicht nur Musik, sondern auch Fan-Bundles. Es gibt konzeptionelle Ansätze, die über die Musik hinaus gehen und die ihr eben noch mehr Möglichkeiten zur Kommerzialisierung bieten. Laut Biggy kann sich die Musikbranche in Deutschland einiges abgucken: Vor allem, wie man Geld verdienen kann, das über die Musik und den klassischen Konzertticket-Verkauf angeht. Größer und umfassender gedacht, mit Mode und gutem Community Management. Denn beim K-Pop ist der Schlüssel nicht nur die Musik, sondern auch der Austausch in der Community: Ob Spenden sammeln, ob gemeinsame Anfahrten zu Konzerten, ob gemeinsame Unternehmungen auch außerhalb des Musikereignisses. Was sie ebenfalls schätzt: K-Pop ist eine sehr weiblich gelesene Gruppe. Mehr weibliche oder queer oder diverse Artists, weniger bestimmt vom Patriachat - oder zumindest reflektiert von den Entscheider:innen, mehr Vielfalt auf Bühnen zu zeigen. In Hamburg gefällt ihr besonders Krach & Getöse, von Rockcity e.V. - eine für sie außergewöhnliche hyperdiverse Verleihung, die vorbildhaft ist für das, was sein kann und was in Zukunft mehr stattfinden darf. Als Journalistin braucht man eine gewisse Neutralität, jedoch ist die Frage: Was ist neutral? Wenn in Talkshows oder Interviews nur Männer auf Bühnen sitzen - daher achtet sie darauf, auch weiblich gelesene Personen einzubeziehen und als Journalistin hier Einfluss zu nehmen, Stimmen zuzulassen, die vielleicht sonst keinen Platz finden würden. Die Auszeichnung mit dem clubaward Ehrenpreis 2025 für ihr langjähriges Engagement für die Popkultur und Musikszene zeigt, dass auch ihr musikjournalistisches Schaffen gesehen und geehrt wurde. Am Schluss gibt Biggy noch ihren Geheimtipps für Upcoming Musiker:innen: Kyng - die sich schon einiges aus dem K-Pop "Handbuch" angeschaut hat und spannende Ansätze bringt. Lina Maria - Indie Rock und weibliche Wut treffen hier aufeinander.