Hinreichend verdächtig

Lilli Stegner für die Rheinische Post und die Staatsanwaltschaft Duisburg

Wie aus einem Streit bei einer Demo fast ein Mord wurde

SEP 17, 202651 MIN

Description

In dieser Folge von Hinreichend verdächtig geht es um einen versuchten Totschlag im Zuge einer eskalierten Gruppenauseinandersetzung am Essener Hauptbahnhof. Wir beleuchten, wie die Ermittlungen trotz fehlender Tatwaffe zum Täter führten und welche Rolle das Jugendstrafrecht bei der Bewertung von Tat und Schuld spielt. Am 7. Dezember 2025 kommt es am Rande einer Demonstration zum Jahrestag der Befreiung Syriens zu einem Streit zwischen zwei Gruppen junger Männer. Was mit gegenseitigen Beleidigungen beginnt, endet mit drei gezielten Messerstichen in den Rücken des Geschädigten, den wir hier Anas nennen. Er erleidet lebensbedrohliche Verletzungen und überlebt nur dank sofortiger medizinischer Versorgung. Der Täter, der 17-jährige Karim (alle Namen geändert), flieht vom Tatort. Und er erscheint am nächsten Tag freiwillig auf der Polizeiwache, um sein verlorenes Smartphone zu melden. Wie verdichten sich Videoaufnahmen, Handydaten und Zeugenaussagen zu einem belastbaren Tatverdacht, obwohl die Tatwaffe nie gefunden wird? Und wie bewertet das Gericht einen jungen Täter, der als unbegleiteter Geflüchteter, Analphabet und ohne Schulbildung nach Deutschland kam? Wir sprechen außerdem über die besondere Zuständigkeit der Jugendgerichtsbarkeit, über das Demonstrationsrecht und die Straftaten, die im Umfeld von Kundgebungen immer wieder entstehen. Unsere Gäste sind Martin Mende, Staatsanwalt in Duisburg, und Alexander Triesch, Redakteur in unserer Lokalredaktion. Im True-Crime-Podcast von Rheinischer Post und Staatsanwaltschaft Duisburg beleuchten wir pro Folge einen abgeschlossenen Kriminalfall aus der Region, mit einem Reporter aus der Lokalredaktion sowie einem Mitglied der Duisburger Staatsanwaltschaft. Gemeinsam zeigen wir, wie Strafverfolgung funktioniert und was sie mit unserer Gesellschaft macht.