ST. PAULI POP
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Erik von St. Pauli POP

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Was ist der St. Pauli POP Podcast?: “Ein launiges Tribünengespräch über den FCSP, die Mannschaft, das Viertel, Musik und Anekdoten rund um St. Pauli.” With love from Hamburg, St. Pauli. stpaulipop.substack.com

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FC St. Pauli Abstieg: Wir, die die bleiben
JUN 23, 2026
FC St. Pauli Abstieg: Wir, die die bleiben
<p><strong><em>Als St. Pauli Fan bleibt man, wenn andere weiterziehen. Ein Essay über diesen masochistischen Kreislauf als Fußballfan.</em></strong></p><p>Jeder August riecht nach frisch erholtem Rasen, nach vertrautem (mal wieder teurer gewordenen) <a target="_blank" href="https://stpaulinu.de/bierpreisexplosion-am-millerntor/">Billigbier</a>; der letzte Rest der verratenen Träume schliert noch auf dem Beton der Stufen. Ich stehe wieder auf der Nordkurve des Millerntors, zusammen mit Willi, Markus und all den anderen, die ich nur aus dem Stadion kenne. Das Astra wärmt sich in meiner Hand auf, und ich schwöre mir feierlich: <strong><em>„Dieses Mal nicht. Dieses Mal binde ich mein Herz nicht an einen Typen, der ohnehin in zwei Jahren weg ist.“</em></strong></p><p>Aber dann kommt da so ein neuer Joel, läuft, als hätte er drei Lungen, grätscht an der Außenlinie, zirkelt den Ball in den Lauf unseres neuen 25-Tore-Stürmers (die er nie und nimmer schießen wird) – und ich, ich verdammter Idiot, fange wieder an zu lieben. Es ist eine chronische Malaise, dieses Fan-Sein. Ein immer wiederkehrender Kreislauf aus Kennenlernen, Liebgewinnen und am Ende – unvermeidlich – traurig sein (manchmal auch stinkwütend), wenn ein weiterer Spind im Bauch der Süd ausgeräumt wird.</p><p>In diesem Sommer ist es beinahe noch schlimmer als sonst. In diesem Sommer wird nicht ein Spind ausgeräumt, sondern eine halbe Kabine. Eine Ära geht zuende.</p><p>Vom Aufstieg, vom Klassenerhalt bis zum verdient unnötigen Abstieg. Ein Drama in drei Akten, das sich alle drei bis vier Jahre oder so wiederholt. (Ok, die Umlaufbahn eines Aufstiegs ist bei St. Pauli länger, eliptischer als anderswo, aber ihr ahnt?)</p><p>Am 16. Mai 2026 habe ich auf genau diesen Stufen gestanden, als der FC St. Pauli die Partie gegen den VfL Wolfsburg nicht gewann und damit nach zwei Jahren wieder abstieg. Zurück in Liga zwei. Ich habe gesehen, wie Jackson Irvine, unser Kapitän, weinend in die Kurve ging, und ich habe selbst feucht-krustige Krumen in den Augen gespürt. <strong><em>„You’ll never walk alone“</em></strong>, und dann gehen sie eben doch, einer nach dem anderen. Ein Abstieg ist kein Abschied. Ein Abstieg ist ein Dutzend Abschiede auf einmal.</p><p>Warum tue ich mir das eigentlich an?</p><p>Der Profifußballer ist letztlich ein Nomade im Trikot. Für mich ist das Vereinswappen nichts zum Küssen, für viele Spieler schon; ist es oft nur der temporäre Briefkopf des aktuellen Arbeitgebers. Ich atme den Kiez, blinzle trotzig in den Hamburger Regen, ertrage den ranzigen Geruch ekeliger Gäste – sie folgen währenddessen einem Karriereplan.</p><p>Wir sehen sie nicht oft am Milllerntor, die absolute Krönung der fußballerischen Heuchelei: die Wappenküsser. Oh, diese verfluchten Wappenküsser! Sie schießen ein Derbysieg-Tor, rutschen auf den Knien zur Eckfahne, treten sie theatralisch um, wenn sie eine Raute ziert, zerren unser Logo an die Lippen und spielen mir vor, sie hätten in St.-Pauli-Bettwäsche geschlafen, seit sie aufrecht gehen können, als hätten sie verstanden, was das heißt, St. Paulianer zu sein. Und in diesem ekstatischen Moment glaube ich ihnen. Ich will ihnen glauben!</p><p>Sukuta Pasu, auch eines der Talente, denen ich mein kleines Fanherz hinterher geworfen habe, hat jüngst in einem sehr ehrlichen Interview sinngemäß gesagt: <strong><em>90% aller Emotionen der Spieler sei fake; kalkuliertes Spielen mit unseren Gefühlen und Erwartungen.</em></strong> Warum ich gerade an Hauke Wahl denken muss?</p><p>Hej, das ist meine selbst gewählte Tragödie. Ich bin wie ein naiver Liebhaber, der den süßen Lügen in einer durchtanzten und warmen Nacht auf St. Pauli Glauben schenkt, weil deine hübsche Brust gerade so schön wärmt. Der Fußball, diese große, zynische Maschinerie, die mich jede Saison aufs Neue verführt und mich dann mit einem Händedruck des Sportdirektors und den Worten „Ich suche eine neue Herausforderung“ auf die Straße setzt.</p><p>Und doch wäre es zu billig, nur den Spielern den Schwarzen Peter zuzuschieben. Ein Abstieg legt die Mechanik gnadenlos offen: Es ist nicht immer der Spieler, der geht. Manchmal ist es die Tabelle, die ihn vertreibt. Ein Fujita, der mit zehn Millionen Euro Marktwert in der Bilanz steht, ist für einen Zweitligisten kein Mensch mehr, sondern ein Posten. Wer absteigt, muss verkaufen, um zu überleben. Die Liebe der Kurve und die Kassenlage des Vereins stehen plötzlich auf verschiedenen Seiten. Und ich, der ich den Spieler halten will, weiß insgeheim: Genau dieser Verkauf finanziert vielleicht die drei Neuen, die ich im Januar wieder lieben werde.</p><p>Bleiben und Gehen – zwei Sprachen, die einander nicht verstehen</p><p>Die Ziele könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Profi sucht den nächsten Vertrag. Er jagt die Bundesliga oder noch forscher die Premier League, das Handgeld, die Villa mit Pool auf Mallorca, das Appartment in Dubai im schlimmsten Fall oder die letzten dicken Dollar der Karriere in St. Louis. Ich kann es ihnen kaum verdenken – ihre Knochen haben ein Verfallsdatum. Für sie ist Nostalgie ein Luxus, den sie sich nicht leisten können. Ein Saad, den zwei Jahre lang Bänder und Muskeln verraten haben und der dann doch in die Bundesliga nach Augsburg geht; ein Treu, der dorthin zurückkehrt, wo er herkam – sie tun nichts Verwerfliches. Sie tun nur das, was ihr Beruf von ihnen verlangt: weitergehen, bevor der Schiri die Karriere abpfeift.</p><p>Widersinnig suche ich Beständigkeit in einer Welt, die sich rasend schnell dreht. Ein ewiger Romantiker, der versehentlich in einem knallharten, absurden Millionenbusiness gelandet ist. Wenn ein Burgstaller seinen Koffer packt, wenn ein Kyereh oder Hartel die Segel streicht, wenn ein Vasilj nach fünf Jahren unter Tränen Tschüss sagt, dann reißen sie ein Loch in mein Wochenendritual. Es fühlt sich an wie ein kleiner Verrat, selbst wenn es keiner ist.</p><p>Aber es gibt sie eben doch, die andere Seite der Medaille. Es gibt die, die bleiben, obwohl sie gehen könnten. Jackson Irvine, der Kapitän, hat es nach dem Abstieg in zwei Sätze gepackt: „Ich werde hier sein. Das ist meine Heimat.“ Er wohnt nicht weit vom Stadion, seine Frau ist im Viertel verwurzelt, und er hätte allen Grund, sich in der zweiten Liga nicht weiter aufzuhalten. Er bleibt trotzdem. Und genau das macht ihn für mich wertvoller als jedes Zehn-Millionen-Angebot, das für einen anderen hereinflattert. Loyalität ist im Profifußball kein Naturgesetz, sondern eine Entscheidung – und sie ist umso schöner, je seltener sie vorkommt.</p><p><em>(Dass ein Profi, der sich auf uns einlässt, zu Recht für sich reklamieren kann, ein Teil von St. Pauli zu sein, uns dann aber anders enttäuscht, soll hier nur am Rande erwähnt sein – vgl. meine </em><a target="_blank" href="https://stpaulinu.de/tag/jackson-irvine/"><em>Artikel zu Jackson Irvine</em></a><em>)</em></p><p>Vielleicht ist das die ehrlichste Lektion, die mir der Fußball beibringt: Dass Bleiben und Gehen keine moralischen Kategorien sind, sondern nur zwei verschiedene Antworten auf dieselbe Frage – was ist mir dieser Ort wert? Der Spieler beantwortet sie mit seiner Karriere, ich beantworte sie mit meinem Bleiben <em>(auch wenn das in diesem Verein wahrlich nicht immer ein Vergnügen ist – und da können die Spieler nix dafür)</em>. Wir kommen einfach zu verschiedenen Ergebnissen, weil wir verschiedene Ideen über den Fußball in unseren Körpern tragen (die sich auch fulminant unterscheiden, btw ;).</p><p>Wir sind das Gebäude, sie sind die Mieter</p><p>Ich bin derjenige, der bleibt. Der Verein ist das Gebäude, die Spieler sind Feriengäste. Vasiljs Abschiedsworte – „Es waren fünf wunderschöne Jahre, an die ich mich immer erinnern werde“ – sind echt, und trotzdem zieht er aus. Das ist keine Heuchelei mehr, das ist einfach die Wahrheit zweier Menschen, die sich für eine Weile dieselbe Adresse geteilt haben. Die Mieter wechseln, das Haus auf der kleinen Insel steht unbeirrt im Westwind, der erbarmungslos in unsere zugige Ecke weht.</p><p>Liebe und Fantum kann auch übel riechen. Dann, wenn Kontroll- und Besitzansprüche dazu kommen. „Ich bezahle Dich, also performe“ ist der gängigste. Das Schimpfen auf Millionarios, die nur ihren Egointerssen dienen, das Symptom.</p><p>Davor sind in Zeiten, da Präsidium und AR aus Fans bestehen, auch Aufsichtsräte nicht gefeit.</p><p>Einziger Ausweg: bewusste Romantik</p><p>Romantiker unterscheiden sich vom Zyniker dadurch, daß der Romantik die Enttäuschung innewohnt; der erfahrene Romantiker weiß das und kann diese ambivalente Spannung sogar genießen.</p><p>Und so stehe ich am nächsten ersten Spieltag wieder da, diesmal in Liga zwei, mit demselben Schal (der schon soviel gesehen hat), demselben aufgedrehten Humor, der Dew neben mir mal gefällt, mal nicht.</p><p>Ein halbes Dutzend Gesichter weniger, ein halbes Dutzend neuer, die ich noch nicht kenne. Bereit, das Herz erneut auf den Rasen zu werfen, damit der nächste hoffnungsvolle Neuzugang mit seinen Stollen darauf herumtrampeln kann.</p><p>Es sind Symptome von Wahnsinn. Ich weiß, es ist völlig irrational. Und doch das Schönste auf der Welt.</p><p>O. hat in unserem <em>Podcast ohne Aufnahme</em> gemeint, wir sollten unsere Spieler <a target="_blank" href="https://stpaulinu.de/no-more-posterboys/">nicht zu Posterboys hochjazzen</a>, das sehe ich inzwischen anders. Lasst sie uns lieben, ein wenig doof anhimmeln und aus ihnen Posterboys für unseren inneren Spind machen. Wohl wissend, dass die Enttäuschung am Ende der Reise wartet, wie eine alte Bekannte, die einen nachts am Flughafen abholt.</p><p><p>St. Pauli POP is a reader-supported publication. To receive new posts and support my work, consider becoming a free or paid subscriber.</p></p><p><strong>Bringen wir ihnen bei, was es heißt St. Paulianer zu sein – immer wieder aufs Neue. Und wer weiß, vielleicht bleibt ja etwas backen, nehmen sie wirklich einen Teil von uns mit zu ihren neuen Boxenstopps im kapitalistischen Turborace. So wie Gyökeres, heute Superstar, oder einst Ralle Gunesch.</strong></p> <br/><br/>Get full access to St. Pauli POP at <a href="https://stpaulipop.substack.com/subscribe?utm_medium=podcast&#38;utm_campaign=CTA_4">stpaulipop.substack.com/subscribe</a>
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23 MIN
Jackson Irvine forever?
MAY 21, 2026
Jackson Irvine forever?
<p><strong><em>Jackson Irvine ist vieles gleichzeitig: Posterboy des FC St. Pauli, Reizfigur, Leader und Kapitän, Absteiger, Verletzt und WM-Fahrer. Er wäre gerne Modeikone, seine Frau wäre wohl gerne poshy Modezarin. Beide leben im Viertel und verkörpern das moderne St. Pauli so intensiv, dass es manchmal weh tut.</em></strong></p><p>Und es kann passieren, daß Jackson Irvine einfach bleibt. Für immer. <em>Das sagte mir zumindest Alfetta in einem unserer Podcasttelefonate ohne Aufnahme.</em></p><p>Anlass war der rüde Angang von Sportchef Bornemann auf die Aussage von Jackson Irvine, dass sich alle Führungsfiguren im FC St. Pauli doch bitte nach diesem Abstueg hinterfragen sollen — und dass er anstreben, seinen Vertrag hier zu erfüllen.</p><p>„<a target="_blank" href="https://zitatsuchmaschine.informatik.hu-berlin.de/quote/7631255">Es sind auf allen Ebenen Fehler passiert, diese müssen aufgearbeitet werden. Wir haben zwei Jahre etwas aufgebaut, im dritten Jahr haben wir es eingerissen.</a>„</p><p>Getroffene Hunde beißen, meint Alfetta, und fügt hinzu: Für Bornemann und Oke ist Jackson Irvine eine Bedrohung. Wer weiß, vielleicht wird er ja bald Aufsichtsratsmitglied oder sogar Okes Nachfolger? Genosse ist er ja schon.</p><p>Jackson Irvine triggert das FCSP Establishment. Und zwar auf vielen Feldern.</p><p><strong>Sportlich untadelig:</strong> da hat man einen Trainer, der öffentlich die Mannschaft disst, währenddessen Irvine mit einem kaputten Fuß aufläuft, um die Mannschaft <em>(die offenkundig keine ist)</em> zu stabilisieren. Auf Kosten der eigenen Gesundheit, ja mit dem hohen Risiko, seinen Traum von der WM deswegen platzen zu sehen. Soviel Engagement kann auch anecken.</p><p><strong>Im Viertel verwurzelt:</strong> Irvine lebt im Viertel und hat wohl auch vor, hier auf St. Pauli zu bleiben. Seit Fabian Boll habe ich keinen Profi in braunweiss öfter auf der Straße oder auf Vernissagen getroffen als ihn.</p><p><strong>Politisch unbequem:</strong> am meisten hat sich unsere <em>aktive Fanschaft </em>und das aus ihr bestehende Establishment im Aufsichtsrat an <a target="_blank" href="https://blog.stpauli.social/st-popcast-jackson-irvine-palestine-die-grosse-st-pauli-kontroverse/">Jacksons Haltung zu Palästina</a> gerieben – ich auch. Hinter dem Konflikt steht aber auch eine ambivalente Haltung kritischen internationalen Stimmen gegenüber. Kurz: Wer die Deutungshoheit der etablierten FCSP-Szene infrage stellt, kriegt eins aufs Maul.</p><p>Jackson Irvine probt derweil, wie es es sich in einem Aufsichtsrat anfühlt – erst einmal bei Lemonaid und nicht in unserem – aber, was nicht ist, kann ja noch werden …</p> <br/><br/>Get full access to St. Pauli POP at <a href="https://stpaulipop.substack.com/subscribe?utm_medium=podcast&#38;utm_campaign=CTA_4">stpaulipop.substack.com/subscribe</a>
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15 MIN
FC St. Pauli: Ein Endspiel de Poitrine
MAY 11, 2026
FC St. Pauli: Ein Endspiel de Poitrine
<p>Manche Podcasts muss man vom Ende her erzählen - so wie wir diese Saison in Zukunft auch vom Endspiel aus erzählen werden - egal, ob die jüngere Generation ihren Stuttgarter Kickers Moment bekommt, wir die “Konzernwölfchen” mitreissen in Liga 2 oder das Drama noch eine vordergründig erfolgreiche Wendung nimmt.</p><p>Toby, frisch nominierter Podcastpreisfinalteilnehmer - auch n Endspiel -, und Erik sprechen über das kuriose Finale der Bundesliga Saison 2025/26. Und auch wieder nicht, denn wir mäandern lieber um das Thema herum (keine Angst, wir kommen noch zu Beef des FCSP), sprechen über Klaas (von Joko und Klaas und das Bandphänomen des Jahres, Angine de Poitrine.</p><p><p>St. Pauli POP is a reader-supported publication. To receive new posts and support my work, consider becoming a free or paid subscriber.</p></p><p>Was das mit dem FC St. Pauli zu tun hat und warum das kein Punk ist, den wir uns fürs Stadion wünschen, hört ihr hier.</p><p>* Außerdem:- Ja, wir sprechen auch über Bornemanns versalzenen Kader</p><p>* Ja, auch über Alex Blessin</p><p>* Und die Parallelen zur Abstiegssaison 2010/2011 DERBYSIEG und den fehlenden Fluch, der am Ende …</p><p>* oh Wunder fehlender Teamgeist statt hsv-initiiert war</p><p>* Und eben über Musik …</p><p>Ach, und das hier wünschen wir uns im Stadion:</p> <br/><br/>Get full access to St. Pauli POP at <a href="https://stpaulipop.substack.com/subscribe?utm_medium=podcast&#38;utm_campaign=CTA_4">stpaulipop.substack.com/subscribe</a>
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91 MIN
FC St. Pauli im Abstiegskampf: Rette sich wer kann ...
APR 26, 2026
FC St. Pauli im Abstiegskampf: Rette sich wer kann ...
<p>Jaja, die Hoffnung, und die Liebe. Beides geht zuletzt und im Falle des FC St. Pauli wird wohl auch beides bleiben - oder wiederkommen. Denn die Hoffnung schwindet, bei uns im Podcastteam, dass der FC St. Pauli den Klassenkampf gewinnen und die Relegation gewinnen könnte. Warum?, weil die Mannschaft, weil der ganze Verein den Kampf einfach nicht annehmen will.</p><p>Chapters</p><p>1:02 Der kleine Zwischenruf von der Ostsee</p><p>2:38 St. Pauli im Abstiegskampf</p><p>7:54 Die Probleme im Team</p><p>10:15 Teambuilding ohne Trainer</p><p>13:11 Der Verein und seine Prinzipien</p><p>15:27 Die Hoffnung bleibt</p><p>16:31 Ein Aufruf zum Handeln</p><p>Vieles erinnert an vergangene Abstiege, die Unfähigkeit, Tore zu schießen oder ein überlegen geführtes Spiel mit einem Sieg abzuschließen, wie einst gegen die Stuttgarter Kickers. Aber auch in der dahin nieselnde Abstieg 2011, als Stani das Team und den Verein für die eigene Karriere im Stich lies, kann man Muster erkennen, die sich dieses Jahr wiederholen.</p><p>Ein paar Gründe, warum ich skeptisch bin, was die so genannte Crunchtime der Saison angeht:</p><p>1. Das ist kein Team, sondern eine Gruppe Profis …</p><p>Jackson Irvine und Hauke Wahl hatten sich nach dem verdienten Heimsieg der Heidenheimer Abstiegsverweigerer einiges zu sagen und das gestenreich; leider kann ich kein Lippenlesen - und doch ahne ich, worum es ging. “Unzusammenhängend” hätte man gespielt, sagte Irvine der Mopo in der Mixed Zone. Was sich wie “jeder für sich” liest, ist wohl auch so gemeint. Eine Gruppe von Einzel-Ich-AGs, die am Ende einer aufreibenden Saison mindestens unterbewußt schon an den Abflug denken?</p><p>Jackson Irvine ist zwar in der Lage, seine Nebenleute besser zu machen, selbst wenn er selbst keine herausragende Leistung bringt - aber das ganze Team zusammenhalten, das kann er nicht allein. Vielleicht ging es darum im Gespräch mit Hauke Wahl, der in den letzten Spielen auch untypisch patzt. Über einen Elfmeter hätte er sich bspw. nicht beschweren können.</p><p>2. Zu weit weg, zu spät, zu oft zu wenig</p><p>Schüsse, die im gegnerischen Block hängen bleiben, Pässe ins Nirgendwo. Startende Außen ohne Zuspiel. Keine Lösung gegen schnelle Spieler, keine Schnelligkeit bei eigenen Aktionen. All das ist St. Paulis Alltag seit dem guten Beginn der Saison. Es gibt keinen Fortschritt im Team, keine Abläufe, die gelernt (trainiert!) aussehen - oder so seltene, dass sie gleich im Gedächtnis bleiben, wie das singuläre Steilschicken von Hotondji durch Sinani.</p><p>Blessin kann es nicht</p><p>3. Kein Teambuilder; Blessin mag ja einiges können, Teambuilding kann er nicht</p><p>Die Farce um Dapo Afolayan kann man anders bewerten als ich, meinetwegen, allerdings zeigte sich dort schon, dass Alex Blessin niemand ist, der kritisches Verhalten von Spielern im Team klärt. Er hat Dapos vermeintliches Fehlverhalten an die Öffentlichkeit gezerrt, er hat diesen Spieler aus einer externen Haltung kritisiert, ohne dass Maßnahmen zur teaminternen Regelung sichtbar wurden. Das ist ein Muster, das Zombie-Coaches auszeichnet; immer sind andere Schuld, tun nicht das, was das Trainerteam verlangt. Zuletzt sprach Blessin davon, dass er der Mannschaft alles vorher briefte, sie - so verstehe ich das - zu doof waren, seinen Matchplan umzusetzen. Dass sich das mit dem Begriff “Jolly” - eigene Jollies, die kurzen, nicht die langen; die gegnerischen Jollies locken usw. - sogar ganz lustig anhört, überschminkt den Resonanzverlust, den wir zwischen Trainer und Mannschaft vorgeführt bekommen.</p><p>Teambuilding geht nicht in der Krise</p><p>Eine beinahe nebensächliche Episode unterstreicht meinen Eindruck, dass wir in diesen Klassenkampf ohne funktionierendes Team gehen: Der Teamabend ohne Coach. Hauke Wahl erzählt im Hamburger Abendblatt, dass</p><p></p><p>… es Teambuilding nicht permanent gibt, sondern nur als Ausnahme in der Krise - so löpt das aber nicht: “In meiner ersten Saison 2023/24 haben wir es mit Hinnerk (<a target="_blank" href="https://podcastinsight.de/podcast/st-pauli-pop-1767183012650/episode/2e172abb-6678-42c5-9d81-75728bae9d3d">Podcast Gast Hinnerk Smolka</a>) regelmäßig gemacht. In der Crunchtime der Saison haben wir es geschafft, dass er das Gespräch gar nicht mehr moderieren musste. ...Es ist wichtig, dass eine Mannschaft Dinge auch unter sich klärt, ohne dass noch zehn weitere Menschen dabei sind”.</p><p></p><p>Oke, Bornemann und der ganze Verein schwimmt auf der “Wir machen das anders”-Welle</p><p>Wir sind der etwas andere Verein, der sich den angeblichen Gesetzmäßigkeiten des Profifußballs nicht unterwerfen will. Das finde ich ja gut, aber nur solange, wie dieser Anspruch nicht zum Stockholm Syndrom mutiert, zur leeren Hülse, die die Realität ausblendet und überfällige Handlungen nicht in Gang bringt.</p><p>Der Millernton schreibt von einem “sportlichen Offenbarungseid” - und hat imho recht; nur die Konsequenz daraus, die bleibt aus. Normalerweise initiiert der Offenbarunsgeid den geordneten Versuch, in letzter Minute noch das Ruder unter der Leitung eines Insolvenzverwalters herum zu reißen - mit denselben Mitarbeitern - nur nicht mit dem bisherigen Management. Analog bedeutet das: für die verbleibenden drei plus zwei (da war sie wieder die Hoffnung) einen neuen Impuls setzen; Blessin entlassen (oder nach Wolfsburg verkaufen?) und eine:n Retter:in oder Perspektivtrainer:in für die 2. Liga benennen.</p><p><strong>Fakt ist </strong>- das sagen Spieler und Trainer selbst: jeder macht sein Ding, keiner spielt als Team und auf den Trainer hören sie schon lange nicht mehr - hallo?, wieviel Grund braucht ihr noch?</p><p>… und dann ist da ja noch der VfL Wolfsburg</p><p>Nach kicker-Informationen gräbt unser Endgegner dieser Saison - nachdem es bereits im Winter Gerüchte um Blessin gab - an Hauke Wahl herum. Es ist bezeichnend für den Zustand dieses Teams, dass ich mir das tatsächlich vorstellen kann. Rette sich, wer kann.</p><p>Was ich voriges Jahr als kommunikativen Dirty Talk von hinter uns wahrgenommen hätte, passt leider diese Saison ins Schauerbild.</p><p><strong><em>Und nu?</em></strong></p><p>Ich werde St. Paulianer bleiben, auch wenn ich hier analysiere, schimpfe und mich wundere; wir werden absteigen oder vielleicht auch nicht. Trotz, mit Rotz und Ruhe werde ich am Sonntag mitbringen ans Millerntor, wenn wir in der zugigen Ecke doch noch ein Unentschieden feiern können, als wäre es ein Sieg - nur um das Leiden ein wenig zu verlängern … denn: an unserem, an eurem Support hat es sicher nicht gelegen.</p> <br/><br/>Get full access to St. Pauli POP at <a href="https://stpaulipop.substack.com/subscribe?utm_medium=podcast&#38;utm_campaign=CTA_4">stpaulipop.substack.com/subscribe</a>
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